Die Antwort auf alle Fragen ist ja bekanntlich 42 (zumindest laut Douglas Adams). Damit ist 43 ja bereits fast die richtige Antwort. Doch welche Fragen beantwortet uns der neue Film „Movie 43“ – der sich selbst als der „schlechteste Film mit den besten Schauspielern" betitelt? Wir haben uns den Film genauer angesehen. Als Zitat möchte ich anbringen: „… als hätten die Macher von Family Guy und South Park bekifft Drawn Together angesehen – und sich dabei Gedanken über einen Spielfilm gemacht“. Inwiefern das positiv oder negativ zu interpretieren ist, erfahrt ihr in unserer Filmrezension.

movie 43 poster

Film- Rezension von Mario

 

Derber Nonsens

Bevor wir überhaupt in den Film einsteigen können, sollten ein paar Kleinigkeiten geklärt werden. Movie 43 ist kein durchlaufender Film. Vielmehr handelt es sich um 11 kurze Sketche, die in eine Rahmenhandlung eingebaut sind. Die Sequenzen haben miteinander nichts zu tun.

Der Filmemacher Peter Farrelly (bekannt durch „Verrückt nach Mary“) hat hier ein MashUp aus extrem derben Filmszenen hervorgebracht. Und viele werden daran keinen Gefallen finden. Es geht um Ankoten, Gewalt, Sex, Rassismus und viele viele andere Tabuthemen, über die nicht jeder lachen kann. Nicht viele lachen werden.

Im Gegensatz zu viel anderen „Mist“, wie ich schon viele Meinungen über den Film höre,  haben wir es hier aber mit einer echten Starbesetzung zu tun. Das Schauspielerensemble sucht seines Gleichen: Noch nie haben so viele Hollywood Stars in einem einzigen Projekt gearbeitet. Und vor allem noch nie an einem solch krassen Projekt.

 

Nomen est omen?

naturkavierDoch wer erwartet uns in Movie 43? Zum einen treffen wir auf Hugh Jackman, aktuell bekannt als „Wolverine“ aus der X-Men Serie. Aus der Scary-Movie Serie treffen wir auf Anna Faris. Auch Emma Stone aus „Superbad“, „Zombieland“ oder dem 2014 kommenden „The Amazing Spider-Man2“. Dann dürfen wir nicht Justin Long vergessen – aktuell mitgespielt bei „Alvin and the Chipmunks: Chipwrecked“ oder „Drag Met o Hell“. Für mich aber immer noch der Kopf im Film „S.H.I.T“.

Eine meiner weiblichen Lieblinge – Uma Thurman – darf bei einer Starbesetzung natürlich ebenso wenig fehlen. Ich denke, dass die zwei Titel „Pulp Fiction“ und „Kill Bill“ ausreichen, um die Dame zuordnen zu können. Auch Elizabeth Banks – bekannt aus der Spiderman-Trilogie – und den „Hunger Games“ oder „Catch Mei f you Can“ übernimmt ebenfalls eine Rolle in Movie 43.

Und noch drei weitere Lieblinge von mir: Christopher Mintz-Plasse (Superbad, How to Train Your Dragon), Sean William Scott (Der „Stiffmeister“ in „American Pie“) und Johnny Knoxville (Jackass)

Selbst an dieser Stelle könnten wir noch weiter machen: Kate Winslet, Halle Berry, Liev Schreiber, Naomi Watts, Jeremy Allen White, Chris Pratt, Kieran Culkin, Jason Sudeikis, Leslie Bibb, Kristen Bell, Bobby Cannavale, John Hodgeman, Stephen Merchant, Nicole Polizzi, Gerard Butler, Richard Gere, Jack McBrayer, Kate Bosworth, Aasif Madvi, Chloe Moretz, Patrick Warburton, Jimmy Bennett, Josh Duhamel, Terrence Howard, Larry Sanders, Jared Dudley oder Corey Brewer…..

Ich selbst bin eigentlich kein Schauspieler-fixierter Filmeschauer. Ich kenne meist zwar den einen oder den anderen Schauspieler – doch eigentlich bin ich in diesem Bereich nicht allzu bewandert. Doch bei Movie 43 wird selbst jemandem wie mir klar, dass sich hier fast alle Größen Hollywoods versammelt haben. Eine Szene beginnt und schon kommt der Gedanke „Kenn Ich!“. Doch halten wir uns nicht mit Namen auf, sondern kümmern uns darum, was all diese Namen in diesem Film verbrechen.

 

Trash folgt Trash

thurmanNormalerweise gehört zu einer Filmkritik eine umfassende, aber nicht allzu viel verratende Zusammenfassung. Bei elf völlig zusammenhangslosen Sketchen ist dieses Vorhaben natürlich deutlich aufwendiger. Die Rahmenhandlung ist schnell beschrieben: Zwei kiffende Teenager drehen ein eigenes Stunt- Video und laden es direkt bei „You Viewer“ hoch. Der kleine Bruder des einen nimmt die beiden aber auf dem Arm – und die Jungs wollen sich rächen. Darum erzählen sie von einem geheimen, verbotenen Film Namens „Movie 43“. Der zwölfjährige Freak wird aufmerksam – und sucht nach dem erfundenen Film. Dabei stößt er allerdings auf etliche verstörende Clips – und die Auswirkungen vom Movie 43 sind noch nicht abzusehen…

Und nun sehen wir uns an, welche derben Sketche hier auf uns warten. Ich bitte gegebenenfalls meine Wortwahl zu entschuldigen. Doch wer an Obszönitäten oder flachen Witzen Anstoß findet, sollte sowieso auf den Film verzichten.

In The Catch treffen Hugh Jackman (X-Men) und Kate Winslet (Titanic) bei einem Blind Date aufeinander. Der attraktive, erfolgreiche, gebildete Junggeselle scheint eine perfekte Partie zu sein – hätte er nur nicht einen Hodensack am Hals. Die Szene dreht sich gänzlich um die haarigen Eier im Gesicht des ansonsten perfekten Mannes. Irgendwie erinnert der Moment, an dem Suppe an den Hoden des Mannes hängt, an Loriots berühmten Nudel-Sketch.

homeschoolingHomeschooled erzählt die Geschichte von zwei motivierten Eltern (Liev Schreiber, Naomi Watts), die sich entschieden haben, ihren Sohn zu Hause zu unterrichten. Da die Highschool bekanntlich die härteste und unglücklichste Zeit des Lebens eines Teenagers ist, wollen die beiden Eltern dem Sohn diese prägenden Erfahrungen natürlich nicht vorenthalten. Daher inszenieren die Eltern für ihren Liebling alle Arten von Erniedrigungen – Mobbing, Fäkalien und brutales Mobbing. Was Eltern eben so mit ihren Kindern tun….

Ebenso derbe geht es weiter in The Proposition. Chris Pratt (Zero Dark Thirty) und Anna Faris (Scary Movie) spielen ein glückliches Liebespaar: Vanessa und Jason. Bei einem Picknick möchte Jason seiner großen Liebe einen Heiratsantrag machen – doch sie kommt ihm zuvor mit einer sehr intimen Frage: Er solle seinen Stuhlgang auf ihr absetzen. Jason´s Freund gibt ihm natürlich reichlich Tipps. Abführmittel und jede Menge Burritos: Die perfekte Vorbereitung für das intime Fäkal-Spielchen. Und der Druck wächst unaufhaltsam – und zwar nicht nur für Jason, sondern auch als Zuschauer bis die entscheidende Szene kommt…

Trennungen können hart sein. Das erfahren auch Neil (Kieran Culkin, „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“) und seine Exfreundin Veronica (Emma Stone, „The Amazing Spider-Man“). Bei ihrem Trennungsgespräch werfen sich die beiden nochmals alle Geschlechtskrankheiten an den Kopf, die sie sich gegenseitig gegeben haben. Leider hört der ganze Supermarkt, in dem Neil arbeitet, mit.

robin speed dateNatürlich müssen auch Superhelden ihr fett abkriegen. Und das geschieht in Robin´s Speed Date. Hier laufen auch gleich mehrere Stars in einer Sequenz auf: Um aThurman, Justin Long, Leslie Bibb, Jason Sudeikis, Kristen Bell und Bobby Cannavale. Regie führte dabei James Duffy. Wie der Titel schon sagt, besucht Robin ein Speed Date, um eine Frau kennen zu lernen. Lois Lane (Uma Thurman) erzählt Robin bei diesem Date, wie schrecklich Superman nach der Trennung zu ihr war. Auch Superwomen schlägt auf – und Robins Kollege Batman, der ihm jede Tour versemmelt. Als dann noch der Pinguin und der Riddler hinzukommen, wir die Szene noch abstruser – und neben behaarten Vaginas, homoerotischen Liebesszenen und zu viel Informationen über Supermans Sexleben sind die gewollt schlechten Kostüme ebenso witzig.

Truth or Dare – im Deutschen als „Wahrheit oder Pflicht“ bekannt – ist ein Spiel, das ein langweiliges Speed-Date natürlich interessanter gestalten kann. So sieht das auf alle Fälle Halle Berry (Catwomen) bei ihrem Blind Date mit Stephen Merchant (Hot Fuzz). Nach leichten Anlaufschwierigkeiten mit kurzen Warhheits-Runden geht es in dem mexikanischen Restaurant allerdings bald rund:  Eine irre Aufgabe folgt der nächsten – was letztendlich in einem Schönheits-OP-Marathon endet….

johnny knoxvilleWas schenkt man seinem besten Freund zum Geburtstag, nachdem man eine Woche lang seine Freundin flach gelegt hat? Diese Frage stellt sich auch Pete (Johnny Knoxville) in Happy Birthday. Und er findet eine Lösung: Natürlich einen im Keller gefesselten Kobold (Gerard Butler). Brian (Sean William Scott) ist begeistert. Die beiden müssen den eierfanatischen Wicht nur noch dazu bringen, den Topf voll Gold rauszurücken….

Was wird Apple wohl als nächstes Einführen? In iBabe erhalten wir eine erste Möglichkeit: Ein riesiger MP3-Player im Form einer echten Frau. Natürlich gefühlsecht und anatomisch korrekt. Doch scheinbar gibt es Probleme, die Steve Jobs (Richard Gere) anfangs nicht verstehen kann. Doch viele Jungs stecken immer wieder diverse Körperteile in die Vagina des iBabe – und ausgerechnet dort befindet sich der Lüfter, der den Teenagern ihre Penisse absägt. Doch man findet natürlich eine Lösung hierfür.

Chloe Grace Moretz („Kick-Ass“) hat als Amanda in Middle School Date ein ziemlich erfolgreiches Date mit einem netten Jungen. Dummerweise muss sie genau in seinem Haus ihre erste Menstruation bekommen – und blutet die ganze Bude voll. Auch der größere Bruder, gespielt von Christopher Mintz-Plasse, ist völlig überfordert. Und noch mehr Männer kommen hinzu, die keine Ahnung von gar nichts haben. Eine ziemlich „bloody“ Angelegenheit.

Beezel ist der Name des Sketches und zugleich des Zeichentrickkaters, der unsterblich in sein Herrchen Amson (Josh Duhamel) verliebt ist. Leider tritt aber Amy (Elizabeth Banks) in das Leben des Mannes. Beezel ist unsagbar traurig, versucht sich mit Masturbation und Drahtbürsten in seinem Anus abzulenken. Doch es gibt eigentlich nur eine Lösung: Die Schlampe muss weg!

basketballUnd selbstverständlich muss noch ein rassistischer Witz in diese Ansammlung einlaufen: In Victory´s Glory muss der Coach eines Basketball-Teams (Terrence Howard) sein Team davon überzeugen, dass sie sich keine Gedanken machen müssen über den Sieg. Auch wenn sie das erste afroamerikanische Team sind, die jemals an einem großen College- Finale teilnehmen, brauchen sie sich keine Sorgen machen. Denn ihre Gegner sind Weiße. Und Gottverdammt: Weiße werden niemals im Basketball gegen Schwarze gewinnen. Denn schließlich geht es hier nicht um Eishockey. Und selbstverständlich sind Schwarze grundsätzlich besser bestückt als Weiße.

 

Reiner Bullshit?

Ich suche in Filmen ja meist nach tiefgründigen Handlungssträngen, Anspielungen, Intertextuellen Bezügen und so weiter und so fort. Irgendetwas, mit dem man die Vorliebe für eine Produktion intellektuell rechtfertigen kann. Und meist findet man auch derartiges. Bei Movie 43 fällt mir das allerdings sehr schwer. „Problematiken der zwischenmenschlichen Beziehungen“ und „Kritik an der Sozialisation von Jugendlichen“ oder „Überspitzung gesellschaftlicher Normen“ lassen sich sicherlich irgendwie aus den Fingern ziehen. Doch man muss ehrlich bleiben: Es geht nicht um tiefgründige Inhalte oder versteckte Kritik. Flachster Humor in Bezug auf Fäkalien, Urien, Masturbation und jede Menge obszöne Wörter – das ist es, was Movie 43 ausmacht. Und für die Lacher garantiert. Der Film will einfach nur unterhalten – vorausgesetzt, man verträgt diese Art von Humor.  Die Schauspieler setzen ihr Talent – von welchem alle genügend mitbringen – für niveaulose Sketche ein. Diese zelebrieren sie aber wie kleine Meisterwerke.

 

Fazit                      gut

Movie 43 ist kein Familienfilm. Nur wenige werden sich mit dieser Art von Humor anfreunden können. Doch wer auf „Kacke, Pisse, Wixxe, Eier, Schwänze“ und weitere Obszönitäten steht und sich nicht daran stört, dass der Witz hauptsächlich auf diesen Begriffen gebaut ist und darüber lachen kann, wird sich köstlich amüsieren. Die Presse und die Medien werden sich über dieses Werk noch das Maul zerreißen, doch einige wenige werden an dieser flachen, überdrehte und durchwegs krassen Sketchsammlung einen Haiden Spaß im Kino haben. Hochkarätige Schauspieler, derbe Späße und eine kleine Zielgruppe.

 

 

Titel: Movie 43
Genre: Komödie
Verleih: Constantin Film Verleih
Regie:

Peter Farrelly

Will Graham

Steve Carr

Griffin Dunne

James Duffy

Brett Ratner

Steve Brill

Elizabeth Banks

James Gunn

Rusty Cundieff

Kinostart 24.01.2013
Produktion 2013
Dauer: 94 Minuten
FSK 16
Schauspieler

Emma Stone

Hugh Jackman

Elizabeth Banks

Chloe Moretz

Gerard Butler

Kristen Bell

Naomi Watts

Anna Faris

Kate Winslet

Christopher Mintz-Plasse

Halle Berry

Uma Thurman

Justin Long

Jason Sudeikis

Johnny Knoxville

…und viele mehr

Web @Constantin Film

 

 

KINOPOLIS LANDSHUT klein

Dank gilt auch in diesem Fall wieder an das Kinopolis Landshut, das uns den Besuch zus Films ermöglicht hat.