Eine neue Ära beginnt. Im dritten Artikel zur RetroReview des Final Fantasy Pixel Remaster-Bundles schauen wir uns den Umstieg von 8-Bit auf 16-Bit an und erleben den Beginn der goldenen RPG-Ära auf dem Super Famicom!

Konsole: Nintendo Switch

Autor: Phil-kun

Inhaltsverzeichnis:

Thema:
Neue Technologie, neue Erfolge!

1990. Ein Wendepunkt in der Videospielgeschichte. Insbesondere bei Videospielentwickler für Nintendos Famicom, denn im gleichen Jahr erschien im November der Super Famicom in Japan im Handel. Weg mit den 8-Bit und her mit den 16-Bit. Was heutzutage unvorstellbar klein ist, war damals eine riesige Herausforderung, gerade in der Gestaltung und Präsentation der Spiele. Die Hardware war teurer, komplizierter, aber dafür deutlich leistungsfähiger und modularer. Man konnte mächtigere Spiele entwickeln, musste dafür jedoch auch mehr Zeit und Geld investieren, damit diese realisierbar wurden.

Mit Final Fantasy III, welches im April 1990 in Japan erschien, wurde das letzte Final Fantasy für die Famicom entwickelt. Zugleich wurde die Lokalisierung von diesem Spiel für den Rest der Welt eingestellt, um mehr Ressourcen und Zeit für die neuen Entwicklungen mit der neuen Hardware zu haben. Final Fantasy VI war dann Squares erster Titel für die Super Famicom, welcher im Juli 1991 erschienen ist.

Trotz der fehlenden Ports und Lokalisierungen war Final Fantasy III ein großer Erfolg und ebenso Final Fantasy IV, welches innerhalb von Nordamerika unter Final Fantasy II veröffentlicht wurde und damit erst der zweite Final Fantasy-Titel war, der außerhalb von Japan erschienen ist.

Final Fantasy III:
Der Anfang des Endes!

Im April 1990 erschien Final Fantasy III in Japan und damit auch das letzte Spiel von Final Fantasy auf dem Famicom. Auch wenn es das letzte Spiel der Konsole war, die spielerischen Elemente und Eigenschaften des Spiels wurden über die Jahre wahre Kennzeichen für Final Fantasy. Das Beschwören, die unterschiedlichen Berufe und die speziellen Aktionen je nach Beruf wurden hier erstmalig eingeführt. Auch das „Licht/Ordnung gegen Dunkelheit/Chaos“ wurde hier verstärkt thematisiert. Und die NSCs wurden mehr in die Geschichte eingebunden und formten echte Beziehungen mit den spielbaren Charakteren.

Motiv: Rette die Kristalle!

Vor tausend Jahren wurden die vier Kristalle von einer bösen Macht heimgesucht. Vier Krieger machten sich auf, um die Balance zwischen den Kristallen und ihren Gegenstücken wiederherzustellen. Die Kristalle des Lichts waren gerettet und Frieden kehrte in das Land ein.

Die Prophezeiung erzählt davon, dass sich dieses schreckliche Ereignis unweigerlich wiederholen wird. Wir können nur offen, dass wir erneut von tapferen Kriegern gerettet werden…

Vier Waisen erhalten, nachdem sie selbst in großer Gefahr waren, eine mysteriöse Macht und eine noch mysteriösere Aufgabe. Sie sollen die Krieger des Lichts sein, und die vier Kristalle des Lichts vor Unheil bewahren. Was wohl auf sie zukommen wird?

Look and Feel: Aus klein mach groß!

Nicht nur geht es den vier Spielcharakteren über die Zeit so, nein, die Spielwelt selbst wird mitten im Spiel deutlich vergrößert, als die Charaktere langsam mehr über die tatsächliche Welt erfahren. Das gleiche Gefühl hat man auch als Spieler. Nicht nur bekommt man immer mehr und mehr Orte zu sehen, die Möglichkeiten im Spiel wachsen mit.

Das Gameplay erinnert wieder stärker an Final Fantasy. Es gibt wieder Berufe, welche man aber dieses Mal jederzeit wechseln kann und sich auch erstmal verdienen muss. Zudem haben die Berufe teilweise besondere Aktionen wie der Sprung bei Dragooners oder das Stehlen bei Dieben. Auch neu ist das die Berufe ein eigenes Level haben, was die Effektivität der berufsspezifischen Aktionen verbessert. Auch das Magiesystem von Final Fantasy ist wieder am Start. Das Fragesystem von Final Fantasy II wurde zugunsten von lebhafteren NSCs ausgetauscht und die Spielcharaktere reden tatsächlich mit den Bewohnern der Welt.

In Sachen Optik wurde das Spiel nochmal ein wenig detaillierter und umfangreicher. Für ein Famicom-Spiel bot Final Fantasy III damals ein unglaublich detailliertes Abenteuer. Der Kampfbildschirm wurde zudem auch etwas besser gestaltet und animiert. (Das fällt natürlich in der Pixel Remaster-Version nicht ins Gewicht)

Fazit: Ein herzliches Abenteuer!

Final Fantasy III kommt mit unglaublich viel Charme daher. Im Epilog werden sogar die einzelnen Schlüsselcharaktere der Geschichte gesondert nach Hause begleitet und verabschiedet. Sie versprechen sich sogar in naher Zukunft wieder auf Reisen zu gehen.

Man merkt, dass hier verstärkt versucht wurde, die Welt und die Bewohner dieser interessanter zu machen. Und das nicht nur mit interessanteren Dialogen, sondern auch Geschichten rundum ihrer Erfahrungen.

Gefühlt war man hier auch erstmalig weniger ein Dienstbote, der von A nach B gejagt wurde, um irgendwas zu besorgen oder zu erledigen, sondern man fühlte sich schon teilweise richtig wie ein Held, der den Bewohnern nicht nur zum Fortschritt der Geschichte hilft, sondern aus dem eigenen Herzen heraus.

Retro-Wertung:

KategoriePunkte
Motiv10
Steuerung8
Präsentation10
GESAMT93 %

Final Fantasy IV:
Ein super Start!

Juli 1991. Ein gutes halbes Jahr nach dem Erscheinen der neuen Konsole Super Famicom von Nintendo erschien der erste Titel der Final Fantasy-Reihe von Square auf dieser neuen Wundermaschine. Endlich 16-Bit! Ursprünglich wurde Final Fantasy IV, oder ein ähnliches Spiel, für den Famicom entwickelt, jedoch wurde dies hingeworfen, um mehr Fokus auf die neue Konsole zu haben.

Final Fantasy IV ist dabei ein absoluter Hit geworden und durchaus weltweit eines der beliebtesten Spiele der Reihe geworden. Die Handlung und der Aufbau des Spiels sind hier auch erstmalig mit komplett fixen spielbaren Charakteren gestaltet. Man konnte weder den Beruf ändern noch frei wählen, wie sie kämpfen. Jeder Charakter hatte also einen echten Hintergrund und eine echte Geschichte zu erzählen. In Summe ist die Handlung auch deutlich dramatischer und ernster als die vorherigen Vertreter, was das ganze Spiel erwachsener wirken ließ.

Motiv: Lass das Licht erstrahlen!

Acht Kristalle, vier hell wie das Licht und vier so dunkel wie der Schatten. Zusammen sorgen sie für die Balance zwischen dem Blauen Planeten und dessen Monde. Wer wagen würde das Gleichgewicht zu stören, würde großes Unheil auf dem Blauen Planeten anrichten.

Vier der Kristalle sind an der Oberfläche beheimatet. Die anderen vier ruhen tief unter der Erde geschützt von mächtigen Wesen.

Die Zeit einer neuen Legende rückt nahe.

Cecil: War es eine weise Entscheidung den Kristall des Wassers zu stehlen? Was denkt sich der König nur dabei?

Cecil: Wie kann er nur so handeln?! Unschuldige Opfer für seine Zwecke! Ich kann nicht länger ein Dunkelritter sein…

???: Wie geht es unserem Gast, Azura?

Azura: Das merkwürdige Menschenmädchen? Sie hat eine starke Bindung zu uns. Sie möchte alles Mögliche über uns lernen. Sie wird sicherlich die fähigste Beschwörerin aller Zeiten werden.

Look and Feel: Ein dramatischer Start!

Der Konflikt zwischen Gut und Böse; Kein neues Element, aber ein deutlich verstärkt thematisiertes in Final Fantasy IV. Ebenso verstärkt wurde der Fokus auf die einzelnen spielbaren Charaktere. Mit über zehn verschiedenen Charakteren, die man im Laufe des Spiels steuern kann, ist hier einiges an Abwechslung trotz der strikten Einteilung der einzelnen Charaktere geboten. Man muss also die eigene Taktik immer so anpassen, dass sie auf die aktuellen Charaktere passt. Auch neu ist, dass man hier sogar maximal fünf Charaktere gleichzeitig in der Gruppe spielen kann.

Eine weitere Neuerung ist die aktive Kampfzeit. Jeder Akteur im Kampf, seien es deine Charaktere oder die Gegner haben eine eigene Reaktionszeit. So wird nun nicht mehr strikt in einzelnen Runden wie bei Schach gespielt, sondern jeder Akteur reagiert dann auf den Kampf, wenn er wieder reagieren kann. Das führt dazu, dass man als Spieler schneller entscheiden muss und keine sorgfältigen Planungen machen kann, da man sonst vom Gegner in der Zwischenzeit verprügelt wird.

In Sachen Präsentation hat sich das Spiel auch um Längen im Vergleich zum Serienerstling verbessert. Die technologischen Highlights aus den Prozessoren des Super Famicom wurden genutzt und lieferten dadurch ein deutlich flüssigeres und detailreicheres Spiel. Auch die Animationen im Kampf sowie die Effekte in Zwischensequenzen konnten aufwendiger inszeniert werden. Und erstmalig konnte man den Soundeffekten und der Musik aufgrund der verbesserten Soundchips mehr Fülle geben. (In der Pixel Remaster-Version gibt es keinen merklichen großen Unterschied in der Präsentation, einzig das die Charakterdesigns nun aufwendiger wirken)

Fazit: Ein wunderbares Erlebnis!

Für mich persönlich war Final Fantasy IV schon eine große positive Überraschung. Manche Handlungselemente wirken heutzutage vielleicht ein wenig überholt oder klischeehaft, ebenso bei manchen Gameplay-Elementen, jedoch wirken diese nur deswegen so klischeehaft, weil sie damals von Final Fantasy IV verkörpert wurden, und das Spiel heutzutage ein wahres Füllhorn der Motivation und Ideen für das japanische Rollenspiel-Design ist.

Retro Wertung:

KategoriePunkte
Motiv10
Steuerung9
Präsentation10
GESAMT97 %

Schlusswort:
JRPG oder WRPG?

Nachdem wir nun gemeinsam vier verschiedene Final Fantasys gesehen haben und ein wenig die Konzepte überblickt haben, kann man sich doch durchaus eines fragen: Ist Final Fantasy nun ein JRPG oder ein WRPG?

Die Debatte, ob ein Rollenspiel (RPG) nun ein japanisches oder westliches Rollenspiel ist, gibt es schon länger, aber ist in den letzten Jahren merklich abgeflacht, da die Elemente wieder genauso stark verschwimmen, wie sie damals schon verschwommen waren.

Den westlichen RPGs (WRPG) wird angerechnet das die spielbaren Charaktere von Anfang an auf den Spieler einstellbar sind. Name, Aussehen, Klasse, Attribute, Skills, Skillbaum, Jobs, Fähigkeiten, Fertigkeiten, Punkte, Erfahrungspunkte, Ränge und so weiter sind klassische Charakteristika von WRPGs. Im Vordergrund steht also, dass sich der Spieler einen Charakter erstellt, und mit dem Avatar seiner selbst oder zumindest den selbst erstellten Avatar, dann in ein Abenteuer in dem jeweiligen Spiel zieht.

Bei japanischen RPGs (JRPG) soll das Hauptaugenmerk auf den Fortschritt einer Geschichte sein. Dabei erlebt man Seite an Seite von mutigen Charakteren ein Abenteuer und ist dafür verantwortlich, dass diese Charaktere ihre Prüfungen, Herausforderungen und Hindernisse meistern. So steuert man sie in viele Kämpfe damit sie stärker werden, Erfahrungspunkte sammeln, Fähigkeitenpunkte sammeln, ihre Jobs oder Klassen verbessern, im Rang aufsteigen und natürlich auch in ihrem Level und ihren Attributen aufsteigen. So geführt sollen die spielbaren Charaktere (meist mehr als einer) wie der/die Protagonist(en) eines Buches das große Übel meistern und die Geschichte zu einem Happy End bringen.

Über die Jahre kann man schon eine Spaltung der Gestaltung von RPGs im Westen und Osten wahrnehmen. Spielereihen wie Earthbound, Super Mario RPG, Paper Mario, Harvest Moon, Rune Factory, Lufia, Tales of, Fairy Fencer und Octopath Traveler sind dabei klassische JRPGs.

Hingegen sind The Elder Scrolls, Fallout, The Witcher, Baldurs Gate und Dark Souls klassische WRPGs.

Was ist aber nun mit Final Fantasy und Dragon Quest? Beide haben sich doch Dungeon & Dragons genauso wie Ultima als Vorbilder genommen; Die Charakteristika von WRPGs kommen schließlich aus diesem beliebten Pen-&-Paper-Rollenspiel.

Ultimativ kommt es meiner Meinung nach darauf an, was nun das Haupt- bzw. Kernelement des Spiels ist:

Ist die Erstellung und das Voranschreiten deines Charakters im Vordergrund?

Dann ist es ein WRPG.

Ist das Erleben einer Geschichte mit einem oder mehreren Charakteren an deiner Seite im Vordergrund?

Dann ist es ein JRPG.

WRPGs fördern das Selbstwertgefühl, während JRPGs die Kameradschaft und die Zusammengehörigkeit fördern.

Daher würde ich die Dragon Quest-Reihe zu den JRPGs zählen.

Die Final Fantasy-Reihe zählt seit Final Fantasy IV zu den JRPGs, während die ersten drei Vertreter der Hauptreihe mehr WRPG-Elemente hatten.

Ich denke aber auch, dass die meisten Spieler vielmehr die Spiele aufgrund ihrer Herkunft aufteilen und weniger aufgrund der Charakteristika im Gameplay.

Vorschau:
Grandiose Abenteuer erwarten uns!

Nächstes Mal gibt es zwei weitere große 2D Final Fantasys zu erleben! Mit dem fünften und sechsten Titel erschienen wahre Epen in der Blütezeit der goldenen RPG-Ära auf dem Super Famicom bzw. des Super Nintendos.

Begleite mich also gerne nächste Woche wieder auf eine Reise in die Nostalgie der 1990er.

Viel Spaß beim Zocken!