Mit dem magischen Pinsel bewaffnet lernst du wichtige Lektionen in deinem jungen Leben. Eigentlich wolltest du mit einem ruhigen Job und wenig Aufgaben ein entspanntes Leben voll mit Träumen leben. Doch eines Tages war es vorbei mit der Farbe, und irgendjemand musste ja den Pinsel in die Hand nehmen! Kannst du deinen Traum ein Farbenkind zu werden verwirklichen?

Konsole: Nintendo Switch

Autor: Phil-kun

Inhaltsverzeichnis

Gameplay: Lass die Farben spielen!

Nach einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne konnte Chicory vollständig finanziert werden und erreichte sogar beinahe 300 % des ursprünglichen Finanzierungsziels. Chicory wurde unter der Leitung von Greg Lobanov, bekannt durch Wandersong, entwickelt und publiziert durch den Indie-Publisher Finji. Das Spiel bringt ein besonders interessantes Gameplay auf den Tisch: Du malst das Spiel aus!

Das gesamte Spiel ist weitestgehend schwarz und weiß, schließlich verblassten auch sämtliche Farben in der Welt. Und dein spielbarer Charakter will dem Ganzen ein Ende setzen und malt alles froh unter munter aus, aber schnell wirst du und dein gespielter Charakter feststellen, dass es nicht immer einfach ist, jedem alles auszumalen.

Motivation: Wachse über dich hinaus!

Ich bin Schnitzel, oder wie auch immer ich von dir genannt wurde beim Start des Spiels, und ich bin gerade das neue Farbenkind geworden! Nun…ich habe mir den Pinsel von Chicorée gemopst als ich auf der Suche nach ihr war. Sie hatte ihn nicht bei sich und bevor ihn jemand anders stiehlt, hab ich ihn zum Schutz mitgenommen. Ich bin auch die loyale Putzkraft im Turm der Farben, wenn man ihn jemanden anvertrauen kann, der ihn einfach mal vorübergehend nimmt, dann doch mir, oder?

Nun, wie dem auch sei; Ich hab also nun den Pinsel von Chicorée gefunden und wollte ihn ihr wieder bringen, doch ich konnte sie erstmal nicht finden. Anschließend habe ich mich aufgemacht, um sie zu finden und dann…

Ah! Ich hab ganz vergessen zu erklären was ein Farbenkind ist! Nun, unsere Welt wird mittels eines Farbenkinds bunt! Seit es Farbenkinder gibt, gibt es immer nur ein einziges Farbenkind. Dieses Farbenkind ist alleinig dafür verantwortlich, die Farbe in unserem Land erstrahlen zu lassen! Bis vor kurzem hat Chicorée das gesamte Land in den buntesten und schönsten Farben und Formen erstrahlen lassen, doch irgendwie sind die Farben vor wenigen Tagen immer weniger geworden, bis sie schließlich komplett verschwanden, und Chicorée kann ich immer noch nicht finden!

Was soll ich nur tun? Wie kann ich der großartigen Chicorée nur helfen? Niemand sonst hat doch ihr Talent! Wer soll nur den Leuten die Farben bringen? Wer kann dieser Verantwortung gerecht werden?

Ähm…wo war ich? Ach ja, ich bin das neue Farbenkind! Ähm…huh…da habe ich wohl meine Fragen von gerade eben selbst beantwortet. Aber…nein eigentlich bin ich nicht das neue Farbenkind. Ich meine ja, ich habe zwar den Pinsel genommen und habe meinen Bund mit dem Pinsel schon mit zwei Prüfungen verstärkt, während ich mit schrecklichen Schattenmonstern gekämpft habe, und ich male auch schon munter die Welt aus, aber ja auch nur weil ich es ja auch unbedingt machen möchte und es mir ja auch so viel Spaß macht und wenn ich schon den Pinsel habe, dann muss ich ja auch irgendwas mit ihm machen, schließlich will in Chicorée ja nicht mehr haben…

Ah…ja…da sind wir beim nächsten Problem…Jeder zählt auf mich…Und auf Chicorée, aber besonders auf Chicorée natürlich, da sie ja auch wirklich mit dem Pinsel umgehen kann…Ich gebe ja nur mein Bestes…aber…Chicorée…sie war so traurig…so niedergeschlagen…ich habe sie noch nie so…farblos gesehen? Sie wirkte ausgebrannt und lustlos…

Irgendwie muss ich ihr helfen! Daher: Werde ich nun unser Land anstelle von Chicorée anpinseln, bis Chicorée wieder selbst in der Lage ist, den Pinsel in die Hand zu nehmen! Ich vertraue Chicorée und ich hoffe, dass sie mir auch ein klein wenig vertraut…

Aber wo soll ich nun als nächstes hin? Nun, nachdem ich meinen ersten Tagebucheintrag von vielen (ja da wird nicht nur mein erster und letzter Eintrag werden! Dieses Mal werde ich dranbleiben und fleißig das Tagebuch füllen!) fertig geschrieben habe, also diesen hier, dann werde ich die nächste Telefonzelle aufsuchen und daheim anrufen. Meine Mama und mein Papa wissen immer was ich als nächstes tun könnte. Besonders Papa; Er hat IMMER einen Rat parat und weiß, wie ich weiterkomme.

Also dann liebes Tagebuch bis später!

Steuerung: Färbe alles!

Auch wenn dein Spielcharakter ein wenig zerstreut wirkt und von nicht vielen Dingen eine Ahnung hat und auch eigentlich nicht so wirklich weiß wohin es sie/ihn nun hin verschlägt, eines ist dabei jedoch schon sicher: Das Spiel hat eine zweigeteilte Steuerung.

Zum einen hat man als potenzielles Farbenkind die Aufgabe die Welt mit dem erworbenen Pinsel anzumalen und anderseits muss man sich ja auch irgendwie durch die Welt bewegen. Ersteres geschieht mit dem Controller mittels rechtem Analogstick und letzteres mit dem linken Analogstick. Interaktionen werden wie üblich mit bestimmten Tasten ausgeführt. Außerdem kannst du auch noch zwischen verschiedene Farben und sogar Stempel wechseln. Im Laufe des Spiels erhältst du auch noch weitere Fähigkeiten, um die Navigation im Land etwas zu erleichtern. Den Pinsel kannst du auch auf der Nintendo Switch mittels des Touchscreens steuern, wenn du im Handheld-Modus bzw. Tisch-Modus unterwegs bist. Dies ist dann besonders zu empfehlen, wenn du tatsächlich ein Bild im Spiel malst und ein paar mehr Details einbringen willst. Es ist zudem möglich die Joy-Con-Bewegungssteuerung zu verwenden, wenn man sie separat als Controller verwendet.

Das Spiel hat keine Lebenspunkteleiste oder irgendwie groß Gegner. Es gibt zwar ein paar schaurige Typen, aber niemand greift dich gleich an. Nun außer eben die schrecklichen finsteren Monster, die versuchen dir den Pinsel wegzunehmen, aber die werden als Bossgegner im Spiel betrachtet und können dir auch keinen wirklichen Schaden zufügen, aber wenn du zu oft getroffen wirst, musst du halt den Kampf nochmal vom letzten Checkpoint aus angehen. Du kannst aber auch dies über die Optionen so weit einstellen, dass du keine Niederlagen bzw. keinen Schaden zugefügt bekommst, ideal für Spieler ohne große Videospielerfahrung.

Da es keine Unterteilung in Level gibt, ist das Ziel des Spiels die pure Erfahrung der Handlung. Es handelt sich bei Chicory schließlich um ein Adventure-Spiel. Hier zählt die Geschichte bzw. die Interaktionen mit den Charakteren mehr als ein Highscore.

Inhalt: Male es dir aus!

Und damit meine ich natürlich die komplette Spielwelt! Deine Hauptaktion ist das Ausmalen während des gesamten Spiels. Mit dem Ausmalen kannst du nicht nur die Spielwelt schöner und farbiger gestalten, sondern auch die unterschiedlichsten Rätsel lösen und Hindernisse entfernen. Mit dem Ausmalen oder Ausradieren kannst du verschiedene Dinge auf der Welt bewegen. Manches muss ausgemalt werden, manches muss ausradiert bzw. farblos gemacht werden, manches macht alles farblos, wenn es farbig wird, und manches hilft dir deine Farbe zu verteilen. Es ist wichtig ein gutes Auge auf die Umgebung zu haben. Nicht nur, um dann auch im Spiel voranzukommen, sondern auch um die zahlreichen Sammelgegenstände zu finden. Es sind nämlich einige Kleidungsstücke wie auch Kopfbedeckungen in der gesamten Welt in Geschenkboxen verteilt. Außerdem kannst du einige Stempel finden und verloren gegangene Kinder (Katzen) aufsammeln und für die Post den Postboten ersetzen, sobald du Zugang zur Post hast, und Briefe austragen. Nebenher kannst du auch den Bewohnern des Landes bei ihren Problemen, sei es Farben bedingt oder auch einfach nur sonstige persönliche Probleme, helfen. Aber… achte hin und wieder auf dein eigenes Wohl, ja? Heldentum ist nicht immer glorreich und gesund für den Helden…

Du kannst auch in deinem Heimatdorf auf die Kunstakademie gehen und dort Kurse besuchen. Je nachdem wie weit du in der Geschichte bist, und wie viele Stempel du gefunden hast, kannst du eben an den verschiedensten Zeichenkursen teilnehmen. Ein jeder Kurs resultiert darin, dass du dein eigenes Gemälde malst oder ein bestehendes Gemälde in deinem Stil verewigst. Es liegt ganz bei dir. Niemand schreibt dir vor was du machen sollst und es zwingt dich auch keiner.

Und ich sage es nochmal, Schnitzel: Lass dich nicht von anderen Leuten herumkommandieren und vergesse nicht auf dich selbst zu achten, klar? Immer schön viel trinken und auch etwas essen, sonst kippst du wieder aus den Latschen, verstanden?

Präsentation: Die Farben wählst du!

Als Farbenkind ist es deine Pflicht die Farben der Welt bereitzustellen. Jedes Gebiet hat immer vier Farben zur Auswahl, so wird wenigstens ein wenig die Palette eingeschränkt und die ganze Welt wird nicht einfach nur einseitig pink. Obwohl du später mit einem Stempel sogar deine eigene Palette mitbringen kannst und dann doch alles pink anmalen kannst, es ist letzten Endes deine Entscheidung wie du deine Welt gestaltest.

Der grafische Stil der Spielwelt, sowie die Zeichnungen der Charaktere sind beide sehr weich und niedlich gehalten. Es gibt wenig kantige Charaktere, und wenn diese kantig sind, dann sind sie meist auch ein wenig grantig. Die Art und Weise wie die Charaktere gezeichnet sind, verrät viel über die Charaktere selbst, so auch das jeweilige Tier, dass sie darstellen.

Du wirst hier sicher viel Spaß haben beim Ausmalen, also ich hatte meinen auf jeden Fall!

Der Soundtrack ist auch sehr besonders und auch besonders gut gelungen. Die Verantwortlichen haben in den verschiedensten bekannten Indie-Spielen mitgewirkt: Celeste, Minecraft, Wandersong, Night in the Woods, Untitled Goose Game…

Er stellt einen Mix aus den verschiedensten Musikgenres und Klängen dar, welcher immer angepasst zu der aktuellen Stimmung in der aktuellen dargestellten Szene ist. Die Soundeffekte tun ihr übriges und geben hauptsächlich das Gefühl, dass du gerade auf Blatt Papier mit einem Pinsel malst.

Fazit: Tiefgründige Farbenkleckserei!

Chicory ist wirklich ein schweres Spiel zum einfachen Beschreiben. Die Demo hatte mir damals schon einen guten Einblick in das Spiel und dessen Welt gegeben. Irgendwo gibt es hier einen Charakter namens Chicorée, welche ihre Muse zur Kunst und Farbenwelt verloren hat. Sie hat auch das Dasein der wohl wichtigsten Person in dieser Welt aufgegeben. Sie will kein Farbenkind mehr sein.

Die Gründe, warum und wieso sie das nicht mehr will und auch der Ursprung der verschwundenen Farben sind nicht einfach erklärt. Es werden schwere psychische Fragen angesprochen und es werden die verschiedensten Traumen der Charaktere besprochen und erläutert. Der Schmerz sitzt hier sehr tief in der gesamten Welt. Kann ihn jemand verstehen und kann jemand die Bürde dieses Schmerzes ertragen und unter dieser Last leben?

Dieser Kontrast zwischen einem scheinbar “harmlosen” Ausmalspiel und der Tragweite der Handlung, ist in meinen Augen ein wahnsinnig wichtiger. Er zeigt auf, dass obwohl alles freundlich und friedlich aussieht und es scheinbar jedem irgendwie gut geht, doch eine tiefere und dunklere Wahrheit hinter dem aufgesetzten Lachen und der freundlichen Maske stecken. Und zwar eine sehr reale und wichtige Wahrheit: Trauer, Traurigkeit, Depression, Schmerz, Hoffnungslosigkeit, Angst, Furcht, Perspektivlosigkeit, Trägheit, Wut, Hass, Selbsthass.

All diese Dinge sind real und können auch hinter den unscheinbarsten Fassaden, wie ein Spiel, indem es um das Ausmalen geht, stecken. So wie eben auch jeder Mensch genau diese Dinge empfindet, auch wenn man dies oftmals einfach nicht glauben will oder kann. Der eigene Spielcharakter in diesem Spiel porträtiert dies mit ihrer immer fröhlichen Art sehr gut und gibt dem Spieler das Grundverständnis mit, dass es jedem so gehen kann, egal wer man ist und welche Rolle oder Persönlichkeit man darstellt.

Wenn ich das Spiel in einem Adjektiv beschreiben müsste, dann wäre es melancholisch.

Melancholie hat immer etwas traurig Bedrückendes, aber auch etwas Nachdenkliches und Realisierendes. Für mich stellt Melancholie ein Gefühl der Wirklichkeit und des Realismus dar. Melancholie ist zwar meist etwas schwerfällig und trüb, aber sie hat meist auch eine lichte Seite. Sie zeigt, wie hell etwas leuchten kann oder könnte und sie versperrt einem selbst nicht den Weg zum Licht, sondern kann den Weg sogar klarer werden lassen. Aus meiner Perspektive ist Melancholie ein Wegweiser, der aus den traurigsten Gedanken und Weltbildern, auch einen Funken Hoffnung finden kann. Sie kann die Hoffnungslosigkeit durchschlagen und einen frischen und lang ersehnten Blick in eine strahlende Zukunft aufzeigen.

Ich bin sicherlich kein Philosoph oder Psychologe, daher kann ich hier ja auch nur von meiner Ansicht sprechen, doch so wirkt eben Chicory auf mich. Das Spiel ist melancholisch. Trotz der unbekümmerten Natur der Welt und deines Charakters liegt eine tiefe Trauer und ein tiefer Schmerz in der Welt, die durch melancholische Werkzeuge ergründet wird, um schließlich Hoffnung zu spenden und die Welt zu einer besseren zu machen.

Eine beeindruckende Erfahrung, die ich vor allem jedem künstlerisch veranlagten Menschen sehr ans Herz lege. Insbesondere schaffende Künstler werden sich hier in den ein oder anderen Charakteren wiedererkennen. Und wenn Depressionen ein Thema in eurem Leben sind: Dieses Spiel schafft es vielleicht eine neue Sichtweise aufzuzeigen, wie ihr sie eventuell besser verstehen könnt.

Viel Spaß beim Zocken!

Wertung

Pro und Contra

ProContra
EntspannendWenig Abwechslung
Fördert Kreativität 
Emotionale Handlung 

Score

KategoriePunkteBegründung
Motivation8Chicory lehrt den Spieler viele Dinge bezüglich Motivation, Kreativität, Selbstliebe und Selbststudium. Das Spiel will die Kreativität ankurbeln, aber auch zu Spaß und Freude aufrufen, anstatt mit Druck oder unrealistischen Anforderungen zu belasten.
Steuerung7Mit Controller ist das Spiel ein wenig schwierig zu bedienen. Besser ist hier die Steuerung mittels des Touchscreens auf der Nintendo Switch. PC ist vermutlich ideal mit Zeichen-Tablet.
Inhalt9Es gibt wenige Spiele, in denen man mehr über sich selbst lernt als über irgendwelche neuen Welten. Die Charaktere helfen gut dabei sich selbst wichtige Fragen zu stellen.
Präsentation8Wo anfangs noch alles schneeweiß ist, ist am Ende alles kunterbunt. Ein geniales Spiel für kreative Köpfe oder einfach jeden, der gerne einmal ein bisschen Farbe in eine Welt bringen möchte. Der Soundtrack passt sehr gut hinein.
Gesamt80 %Chicory: Eine farbenfrohe Geschichte ist ein liebevolles Spiel bei der man gerne einmal die Farbe ausschütten darf. Ein sehr entspannendes, aber auch mitreißendes und lehrreiches Vergnügen für Jung und Alt!

Infos

PublisherGreg Lobanov, Finji
Entwickler Greg Lobanov, Finji
PlattformNintendo Switch, PlayStation 4, macOS, Microsoft Windows, PlayStation 5, Mac OS
GenresAdventure, Wholesome
Release10. Juni 2021
Websitehttps://chicorygame.com/
Preis18,99 €
AltersfreigabeUSK ab 6 Jahren
Spielzeit10 bis 20 Stunden

Trailer zu Chicory: Eine farbenfrohe Geschichte