Eines muss ich vorweg in dieser Review erwähnen: Als wirklich großer Fan des „Harry Potter“-Universums war dieses Projekt etwas ganz Besonderes für mich. Ich bin mit den Büchern aufgewachsen, liebe die Filme und habe die meisten Spiele gespielt (ja, auch die heutzutage besonders „schön“ anzusehenden). Als erste Meldungen auftauchten, die tatsächlich ein Open-World-Game in eben diesem Universum andeuteten, war die Freude gigantisch. Als Gaming-Journalist habe ich mir aber auch vorgenommen natürlich objektiv an die Sache heranzugehen. Das Ergebnis ist vielleicht die objektivste Betrachtung eines Spiels, da ich stringent auf eine Trennung zwischen meinem „Fan-Dasein“ und diesen Artikel geachtet habe…

All das müsste hier eigentlich nicht nur stehen, sondern auch ernstgemeint sein, aber das geht leider nicht. Die Review kann daher Spuren von „Referenzen“ und „Fangeschwärme“ enthalten. Kommt also mit mir in eine Zeit von vor über 200 Jahren (ja, das war schon die erste Referenz), in einer Zeit in der Kobolde die Sicherheit der Magier und Hexen auf die Probe stellen.

Autor: Alex

Plattform: Playstation 5

Inhaltsverzeichnis:

Handlung: Alex und die Kammer der Alten Magie

Als du deine Reise nach Hogwarts antrittst bist du bereits im fünften Schuljahr. Keine Ahnung, warum der Brief mit der Einladung so lange gebraucht hat, aber jetzt ist er endlich da. Du wirst sogar von einem der Professoren abgeholt. Professor Fig ist sein Name und er begleitet dich auf deiner Reise nach Hogwarts, die wegen einer Verspätung leider nicht mit dem berühmten Hogwarts-Express erfolgen kann. Während der Überfahrt wird deine Kutsche aber plötzlich von einem wütenden Drachen angegriffen. Ein Ministerium-Mitarbeiter stirbt dabei, doch du und Professor Fig könnt euch gerade noch so retten. An der Absturzstelle merkt ihr schnell, dass du über besondere Fähigkeiten verfügst. Professor Fig vermutet eine Verbindung zur alten Magie… Glücklicherweise gelangt ihr durch diese über Umwege nach Gringotts direkt nach Hogwarts.

Nachdem du in dein Haus gewählt wurdest, erste Schritte auf dem Schulgelände gemacht und erste Besorgungen in Hogsmeade erledigt hast, kommt Professor Fig erneut auf dich zu. Ihm will euer letzter Reiseabschnitt nicht aus dem Kopf gehen, denn ihr habt dort ja auch Bekanntschaft mit dem aktuell vielleicht gefährlichsten Wesen der Zaubererwelt gemacht: Ranrock, der Kobold. Seine magische Macht ist ungeheuerlich und hinter irgendwas scheint er her gewesen zu sein. Ihr begebt euch also auf Spurensuche und findet tatsächlich einen bisher unbekannten Raum unter Hogwarts, der sich „Kartenraum“ nennt. In ihm wirst du nach und nach mit vier historischen Figuren der Schule für Hexerei und Zauberei interagieren. Sie leiten dich an, verraten dir ihre Geheimnisse und erklären dir nach und nach was hinter der „Alten Magie“ steckt und warum ihr Einsatz eine Gefahr für die Menschheit darstellen kann.

Wirst du die Prüfung zum Hüter dieses antiken Geheimnisses bestehen und kannst dich dann vor allem auch gegen Ranrock und seine Schergen nicht nur zur Wehr setzen, sondern ihn auch an der Durchführung eines diabolischen Plans hindern?

Und so nebenbei steht dir ja auch noch der ganz normale Schüleralltag ins Haus. Du musst Unterrichtseinheiten besuchen, Zaubersprüche lernen und jede Menge Unterrichtsstoff nachholen. Glücklicherweise erweisen sich die meisten Professoren als äußerst hilfsbereit und unterstützen dich nach besten Kräften. Gleiches gilt auch für die Schüler deines und der anderen Häuser und so freundest du dich schnell mit ein paar von ihnen an und hilfst ihnen ihre eigenen Geschichten und Herausforderungen zu meistern.

Und wer weiß: Vielleicht ist irgendwann auch ein bisschen Zeit, um einfach die Welt außerhalb der Schlossmauern zu erkunden und Geheimnisse zu lüften, Schätze zu heben, Tiere zu retten und dich gegen Monster zu behaupten?

Willkommen in Hogwarts!

Einschätzung zur Handlung:

Auch wenn die Marke „Harry Potter“ schon ein paar Jahre hinter sich gebracht hat, sonderlich groß ausgekundschaftet wurde das damit verbundene Universum noch nicht. Erste Anstalten dahingehend hat die Filmreihe „Phantastische Tierwesen“ versucht und jetzt wird mit „Hogwarts Legacy“ ein weiterer Schritt dahingehend unternommen. Noch einmal gut hundert Jahre vor den Ereignissen rund um Magiezoologe Newt Scamander und knapp 200 Jahre bevor Harry Potter die Gemäuer von Hogwarts betreten hat, setzt unsere Handlung an.

Wobei ansetzen sicherlich nicht das richte Wort ist. Vielmehr werden wir als Spielende in sie hineingeworfen. Die ersten Schritte gestalten sich daher auch entsprechend holprig. Wir wissen gerade einmal, wie wir aussehen. Aber was hat es mit dem Drachenangriff zu tun, wer war eigentlich dieser Ministeriumsmitarbeiter und warum ist dieser Professor Fig so vernarrt in die „Alte Magie“? Es sind Fragen über Fragen, die auf uns direkt zu Beginn einprasseln, ehe wir überhaupt das erste Mal aktiv die Steuerung übernehmen. Und auch danach wird es nur leidlich besser. Im Galopp geht es nach Gringotts, dort treffen wir auf Ranrock und von da aus geht es quasi direkt zur Einteilungsfeier nach Hogwarts. Es sind sehr hektische erste Stunden in eurem neuen Leben als SchülerIn von Hogwarts.

Entsprechend froh ist man dann, dass die Handlung den Druck und die Geschwindigkeit merklich zurückfährt. Ab hier wird man dann behutsamer in alle relevanten Themen integriert und davon gibt es tatsächlich sehr viele. Allein auf Seiten der SchülerInnen werden für euch drei große Handlungsstränge bereitgehalten. Eine dreht sich um die Gryffindor-Schülerin Nati, die eine Spur zu einem der wichtigsten Handlanger Ranrocks verfolgen und ihn stellen will. Oder ihr begleitet Hufflepuff-Schülerin Poppy auf ihrer Mission magische Tierwesen nicht nur zu retten, sondern einen kompletten Ring von Wildernden auszuhebeln. Oder ihr greift dem hilflosen Slytherin-Schüler Sebastian unter die Arme, der alles in seiner Macht Stehende tun will, um seine verfluchte Schwester zu heilen, damit sie wieder nach Hogwarts kommen kann. Auch wenn er sich dafür mit den drei unaussprechlichen Flüchen beschäftigen muss und dafür ganz tief ab in die dunklen Künste tauchen muss!

Diese oftmals weitaus emotionaleren Handlungen täuschen aber nicht über die Tatsache hinweg, dass ihr euch dennoch den eingangs in den Raum geworfenen Fragen stellen müsst. Vor allem die Frage zu den Hintergründen der „Alten Magie“ wollen noch erschlossen werden. Denn diese könnten den Schlüssel zur Verteidigung gegen den gefährlichen Kobold Ranrock enthalten!

Man merkt den Verantwortlichen wie in allen Aspekten des Spiels die große Verbundenheit aber auch den Respekt vor der Materie an. Daher war es ihnen auch wohl wichtig, dass sie die grundsätzliche Dramaturgie von „Hogwarts Legacy“ so ein wenig an die der Filme anlehnen. Denn auch dort gab es immer diese übergeordnete Handlung rund um Harry Potter, daneben aber auch zahlreiche Interaktionen und Storylines von und mit anderen SchülerInnen von Hogwarts. Durch eine – für ein Open-World-Spiel – überraschend lineare Führung durch eben diese und weitere Handlungsstränge bindet einen das Spiel auch stark an die Handlung. Das ist für deren Fluss und Wirkung auf uns Spielende zwar richtig und wichtig, stört sich aber an der Open-World-Prämisse und gerät hierdurch immer wieder empfindlich in Konflikt mit dem Gameplay-Fluss.

Gameplay: Alex und die Fesseln der linearen Spielführung

Wenn wir über das Gameplay, die Steuerung und auch das Missionsdesign von „Hogwarts Legacy“ reden, dann muss ich auch als großer Fan des „Harry Potter“-Universum ganz klar von den großen Schwachstellen des Spiels reden. Oder sind es vielleicht gar keine Schwachstellen, sondern einfach Stolpersteine für (sehr) erfahrene GamerInnen? Ich werde in diesem Bereich zum einen auf den spielbaren Charakter eingehen, seine Missionen und deren Zusammenhang, sowie die zu erkundende Welt mit all ihren kleinen Aufgaben.

Endlich kannst auch DU nach Hogwarts

Wenn es um die Erstellung von Charakteren geht, dann lassen sich die wenigsten Firmen mittlerweile großartig lumpen. Charakter-Editoren gehören mittlerweile nicht mehr nur zum guten Ton, sondern müssen in Zeiten von Gender-Diversity auch möglichst umfangreich und individuell kombinierbar sein. All das liefert „Hogwarts Legacy“ in einem überschaubaren aber für mich ausreichenden Rahmen. Kleine Seitenhiebe durch die Charaktererstellung in Richtung der Schöpferin J.K. Rowling sind im Spiel immer wieder enthalten. Kleiner Exkurs: Rowling hat sich in jüngerer Vergangenheit mit angreifenden und schlicht nicht mehr zeitgemäßen Aussagen gegenüber der Transgender-Community zunehmend ins Abseits gezaubert. Boykottaufrufe für sämtliche „HP“-Produkte (wie auch dieses Game) inklusive.

(Und ja, vielleicht verwende ich deswegen in diesem Artikel absichtlich mehr genderneutralisierende Bezeichnungen als sonst)

Habt ihr euch für einen Charakter entschieden, geht es nach einem kurzen Intro auch schon nach Hogwarts und in die große Halle. Denn auch wenn ihr bereits in der fünften Klasse einsteigt, eine Zuteilung zu einem der vier Hogwarts-Häuser Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw oder Slytherin muss trotzdem sein! Ihr könnt euch hier entweder den Fragen des Sprechenden Hutes stellen (und später trotzdem euer Wunschhaus frei auswählen), oder ihr verknüpft euren Account von www.wizarding-world.com und könnt neben ein paar optischen Items auch die dort hinterlegte Hauszuteilung und euren Zauberstab direkt ins Spiel übertragen. Letzterer lässt sich bei einem Besuch bei „Ollivander´s Zauberstäben“ aber natürlich trotzdem jederzeit individuell gestalten.

Damit euer erstellter Charakter jetzt aber im Spiel nicht wie ein Minimuff durch die Gegend geschossen wird, benötigt er/sie natürlich auch Statuswerte. Diese teilen sich in „Hogwarts Legacy“ recht simpel in Offensive und Defensive auf. Aufgebessert werden diese aber beispielsweise nicht durch das Aufleveln eures Charakters, sondern durch die Kleidung, die man sich während des Spiels zusammenklaubt. Und ja das meine ich tatsächlich auch so. Denn anders als erwartet gibt es keinen Kleidungs- bzw. „Rüstungsshop“, sondern sehr viele Truhen überall auf der Welt verteilt, in denen man dann Ausrüstungsgegenstände suchen kann. Das erleichtert euren ohnehin ständig strapazierten Geldbeutel.

Eure Kleidung könnt ihr in den Kategorien Gesicht, Kopfbedeckung, Hals, Outfit, Mantel und Handschuhe anlegen. Die ausrüstbaren Kleidungsstücke gibt es in insgesamt vier Seltenheitsstufe (aufsteigend: grün, blau, violett, orange). Manche Stücke müssen zunächst noch identifiziert werden. Ein eher lästiges Feature des Spiels, aber irgendwie muss man dem „Raum der Wünsche“ ja noch mehr Funktionalitäten zuschustern – ich erklär euch gleich noch, warum der Raum für mich wenig Reize bietet. Denn dort befindet sich ein besonderer Schreibtisch, an dem man dann per simplem Knopfdruck alle nicht identifizierten Kleidungsstücke entschlüsselt – wie das genau funktioniert wird aber nicht erklärt. Seis drum.

Wenn ihr schon etwas weiter im Handlungsverlauf seid, dann könnt ihr auch eure Kleidungsstücke mit gesammeltem Material von magischen Tierwesen noch verbessern. Verbessert werden hier aber nie die Grundwerte, sondern Zweitwerte. Beispiel: Ein Kleidungsstück, das eure Offensive verbessert, kann durch diese Optimierung auch den Defensivwert pushen. Verbessert wird in drei aufsteigenden Stufen mit immer komplizierteren Anforderungen. Für ganz Engagierte kann man auch noch „Aufwertungen“ in Form einer Art „Rune“ platzieren. Das geht nur einmal pro seltenere Kleidungsstücke und fordert auch Tierwesenmaterialien.

Ihr könnt euch vielleicht denken, dass diese Statusverbesserung durch Kleidung auch ein ganz signifikantes Problem hervorruft: Ihr seht irgendwann aus wie ein Teppichschlumpf. Ganz ehrlich, selbst das Outfit von Peeves dem Poltergeist macht mehr Sinn, als das, was ihr anhaben müsst, um die besten Rüstungswerte zu erreichen. Hier liefert „Hogwarts Legacy“ einen schönen Kniff. Ihr könnt neben den Rüstungswerten auch die Optik bestimmen. Im Ausrüstungsmenü könnt ihr per linker Aktions-Taste („Viereck“ bei PS5) in eine Art „Garderobe“ wechseln und dort alle bisher gefundenen Kleidungsstücke anlegen – so könnt ihr euch eben auch ein optisch passendes Outfit zusammenstellen. Um euch das mal vor Augen zu führen, habe ich für euch mal einen Vergleich meines Outfits zusammengestellt. Rechts seht ihr das Outfit für die Rüstungswerte und links so wie ich mich optisch zusammengestellt habe (ihr erkennt oben rechts, dass die optische Wahl keinen Einfluss auf die Ausrüstungswerte hat):

Auch im Ausrüstungsmenü enthalten, aber ohne Einfluss auf eure Werte sind Zauberstabgriffe, Reittiere und Besen. Sie haben rein optischen Einfluss auf euer Spielerlebnis, liefern aber keine nennenswerten Vorteile. Anders sieht es da bei den sog. Talenten aus. Sie dienen als euer „Fähigkeitenbaum“. In insgesamt fünf Kategorien (Zaubersprüche, dunkle Künste, Haupttalente, Schleichen und Raum der Wünsche) könnt ihr mittels Talentpunkten Verbesserungen und passive Buffs erwerben. So könnt ihr „leiser Schleichen“, oder statt einem Kampfitem gleich zwei gleichzeitig einsetzen. Klassische Wirkungsverbesserungen sind auch zuhauf enthalten. Das Gute an den mit 48 doch sehr viel gewordenen Talenten: Pro Talent wird nur ein Talentpunkt benötigt. Das Schlechte: In ihren Kategorien sind nicht alle Talente sofort freigeschalten, sondern haben Levelschranken und ihr bekommt Talentpunkte nur durch Erreichen eines neuen Spielerlevels. Das auf Erfahrungspunkten basierte Levelsystem ist simpel gehalten. Erfahrungspunkte erhaltet ihr für so ziemlich alles, was ihr macht (erkunden, Rätsel lösen, Missionen abschließen, Sammelitems finden), allerdings skalieren die erhaltenen Erfahrungspunkte nicht mit eurem Level und den erforderlichen Erfahrungspunkte. Das bedeutet, dass es gerade in den späteren Leveln immer schwerer und mühsamer wird die nächste Stufe zu erreichen.

Kampfsteuerung – Ein Abenteuer für sich:

Jetzt ist „Hogwarts Legacy“ ja ein Actiontitel und das bedeutet natürlich, dass es dort auch mal zur Sache geht. Und jetzt wird es für alle kompliziert, sowohl für die erfahrenen als auch für die unerfahrenen SpielerInnen unter euch. Selten habe ich ein so dicht gedrängtes Combat-Gameplay in einem Actioner erlebt wie hier. Der Grund: Es scheint zu viele für zu wenige Tasten zu geben. Lasst es mich erklären. Über die rechte Triggertaste könnt ihr durch kurzes Antippen euren Standardangriff losschicken. Haltet ihr die Taste gedrückt, aktiviert sich ein Aktionsrad, dass auf alle eure Aktionstasten (bei Playstation: Kreis, Kreuz, Viereck und Dreieck) zugreift. Dort könnt ihr mächtigere oder größere Zaubersprüche ablegen. Jetzt reicht aber nicht eines dieser Räder, sondern ihr habt gleich VIER zur Auswahl. Der Wechsel funktioniert so: Rechte Triggertaste halten + analoges Steuerkreuz (jede Richtung = ein Aktionsrad).

Verwirrt? Es wird noch besser: Wollt ihr das Aktionsrad jetzt anpassen, weil es mit 26 Zaubersprüche mehr gibt als Platz in den vier Aktionsrädern (4×4 = 16 – für die Mathenieten wie mich), dann müsst ihr OHNE den rechten Trigger auf die rechte Richtungstaste drücken. Im dortigen Menü funktioniert die Anwahl des Wunschzaubers so wie im Kampf, also mittels rechter Triggertaste + Wunsch-Aktionstaste.

Und jetzt wollt ihr euch aber im Kampf auch sicherlich verteidigen, oder? Dann kommt jetzt der Soloauftritt eurer Aktionstasten. Wenn ihr nämlich ohne den rechten Trigger auf die obere, rechte oder untere Richtungstaste drückt, dann nutzt ihr entweder einen Schildzauber, springt zur Seite oder springt hoch. Wollt ihr euren „Spider-Sense“ oder Enthüllungszauber nutzen, dann drückt ihr die „Linke“-Richtungstaste. Eurer Questline folgt ihr mittels der „Oben“-Richtungstaste.

Wir sind aber noch nicht fertig, was die Steuerung bei Auseinandersetzungen angeht. Manche Zauberer sind auch nicht nach dem zweiten Jahr aus Hogwarts geflogen und wissen sich zu verteidigen. Ihre Verteidigungsschilde durchbrecht ihr nur mit farblich passenden Zaubern. Hofft ihr stattdessen auf Kraft aus Zaubertränken und magischen Pflanzen, dann seid ihr bei der nächsten Tastenkombination eurer Controller angekommen. Denn über den linken Bumper könnt ihr durch Antippen einen ausgerüsteten Gegenstand einsetzen oder mittels Halten ein weiteres Auswahlmenü öffnen, in dem ihr euch dann entscheiden könnt, welches der acht(!) Hilfsitems ihr auf ein – ja richtig – weiteres Aktionsrad legt. Dummerweise gibt es aber nur einen Platz für das Hilfsitem, denn über alle anderen Plätze könnt ihr Reittiere oder den Besen aktiveren (ja geht nur so).

Und wem jetzt sowohl Zaubern, Verteidigen oder Item-Kampf zu umständlich sind, der hat immer noch die Wahl wahllos Gegenstände auf die Gegner zu schleudern. Denn mittels rechtem Bumper könnt ihr freiliegende Gegenstände zu Wurfgeschossen machen. Das kann bei explosiven Fässern einen wirklich „durchschlagenden“ Effekt haben! Und kämpft ihr lange genug mit Gegnern und der Kampfsteuerung, dann sammelt ihr immer mehr „alte Magie“ und könnt diese in einer ultimativen Attacke auf eure Gegner loslassen. Drückt hierfür „einfach“ gleichzeitig die beiden Bumpertasten.

Und was sagt ihr, ist doch genauso einfach wie die Zubereitung von einer Phiole „Trank der lebenden Toten“, oder?

Die Missionen und ihre Tücken:

Wir alle können uns an unsere Schulzeit erinnern und die Tatsache, dass man erst mit fortschreitendem Schuljahr immer neue Aufgaben und neuen Lerninhalt zugeteilt bekommen hat. So läuft das auch in „Hogwarts Legacy“ und das ist für ein Open-World-Game eine denkbar schlechte Ausgangslage. Denn wenn ich von einem Titel mit offener Spielwelt spreche und mich in einen solchen begebe, dann erwarte ich auch eine gewisse Freiheit. Ich kann die Welt erkunden, kann Umgebungen freischalten und Missionen in einigermaßen beliebiger Reihenfolge angehen. Manchmal durch Levelgrenzen abgeschirmt, aber ansonsten im Großen und Ganzen ein Spielerlebnis nach meinen eigenen Vorstellungen erschaffen. In Hogwarts laufen die Dinge hier leider komplett anders und aus der scheinbar offenen Welt wird ganz schnell ein linear eingezäuntes Action-Abenteuer, deren vermeintlich offene Welt man so wirklich erst am Schluss erkunden kann.

Was meine ich damit? Blicken wir auf die Missionen. Insgesamt beschäftigt sich das Spiel mit vielen Hauptstory-Strängen. Verteilt in 14 Haupt- und 32 Beziehungsaufgaben lernt ihr nicht nur eine große Anzahl von Hogwarts-SchülerInnen und ProfessorInnen kennen, sondern erweitert nach und nach eure Fähigkeiten. Wer jetzt aber glaubt, dass er/sie sofort nach der Hauszuteilung durch den sprechenden Hut mit dem Besen in die Lüfte steigen kann, einen Hippogreif reiten oder es sich im Raum der Wünsche gemütlich machen kann… Da muss ich leider enttäuschen. Denn tatsächlich werden eben diese und viele andere Aktivitäten erst nach und nach mit eben den Abschlüssen der oben erwähnten 46 Missionen freigeschalten. Und teilweise wirklich extrem spät im Spiel. So spät, dass man schon glaubt man hat irgendwas übersehen. Selbst der Aufsperrzauber „Alohomora“ wird durch eine kleine Nebenquest freigeschaltet und muss dann noch umständlich auf drei Stufen durch stumpfes wie glückliches Suchen von Sammelitems aufgebessert werden.

Das bedeutet für den Start des Spiels unglaublich viel Frust für alle die, die sich regelmäßig in solchen offenen Spielwelten aufhalten. Andererseits kommt aber hier einer der großen Vorteile für unerfahrene GamerInnen ins Spiel: Sowohl die Missionsführung wie auch das Spiel insgesamt, ist unfassbar einsteigerfreundlich. Ich habe es noch nie erlebt, dass man das Bemühen der EntwicklerInnen beinahe gespürt hat, ein Spiel so zugänglich wie nur irgendwie möglich zu gestalten, um auch die größten Gaming-Muffel aber begeisterte „Harry Potter“-Fans abzuholen. An der Stelle ein sehr großes Kompliment für diese ganz besondere Inklusionsarbeit der Verantwortlichen. Natürlich wird aber gerade das für erfahrene Spielende zum großen Stresstest.

Denn durch das linear geführte Missionsdesign muss man sich die Freiheit hart erarbeiten, muss man sich durch zahllose und mechanisch eher lieblose bzw. auch sehr simpel gehaltene Missionen friemeln, um irgendwann mal das Level an „Open-World-Freiheit“ zu haben, wie man das mittlerweile eigentlich gewohnt ist. Dennoch wird das „an die Hand nehmen“ durch das komplette Spiel getragen und wirkt sich leider auch empfindlich auf die insgesamte Schwierigkeit des Spiels aus. Selten habe ich so leichte Missionskonflikte gehabt – trotz der dann doch überraschend fummeligen und umfangreichen Kampfsteuerung.

Die Welt und was man so erleben kann (…, wenn man lang genug gespielt hat):

Wir spulen uns jetzt mal gedanklich zum Ende des zweiten Drittels im Spiel. Denn ab hier können wir davon sprechen, dass wir große Teile der uns zur Verfügung stehenden Aktivitäten bereits freigeschaltet haben. Ab diesem Zeitpunkt macht es dann auch Sinn sich mal mit der Welt an sich und den unzähligen Aktivitäten dort auseinanderzusetzen. Ein Blick auf die Weltkarte verrät nämlich schnell: Langweilig sollte es hier niemandem so schnell werden. Zurückgehalten vom Spiel selbst, machen viele Erkundungen oder Sammelitems aber eher wenig Sinn bzw. werden durch noch freizuspielende Elemente unzugänglich gemacht. Wie gesagt: je früher ihr euch im Spiel mit der Karte und deren Aktivitäten beschäftigt, desto größer das Frustlevel, aufgrund fehlender Zugänglichkeit.

Insgesamt ist die Karte in „Hogwart Legacy“ in drei große Bereiche aufgeteilt: Die alles umfassende Weltkarte, mit zahlreichen Gebieten, sowie den zwei Detailkarten „Hogwarts“ und „Hogsmeade“. Über diese könnt ihr detailliertere Schnellreisen und Wegmarker festlegen. Als Fortbewegungsmittel gibt es für die Weltkarte den Besen oder ein Reittier eurer Wahl – aber erst, wenn ihr die passenden Missionen gespielt habt. Innerhalb von Hogwarts und Hogsmeade seid ihr auf eure Lauf-Fähigkeiten beschränkt. Alternativ könnt ihr auch im Flohpulvernetzwerk schnellreisen, die Zielpunkte müssen dazu aber einmalig von euch besucht und „aufgedeckt“ werden.

Aktivitäten selbst sind alle auf der Weltkarte hinterlegt. Dort könnt ihr euch um Höhlen und Gruften (liefern Ausrüstungsgegenstände oder Deko-Artikel für den Raum der Wünsche) kümmern, aber auch an Duell-Runden teilnehmen. Darin stellt ihr euch in mehreren Wellen verschiedenen Gegnern – sehr fordernd im Übrigen und vielleicht gerade für erfahrene GamerInnen der einzige Ort, an dem euch wirklich Grenzen aufgezeigt werden! Bei Tierbauten könnt ihr magische Tierwesen fangen (aber erst wenn der Raum der Wünsche freigeschalten und entsprechend ausgebaut ist – natürlich durch Spielfortschritt). Wegelagerer-Stellungen könnt ihr ebenfalls für Belohnungen von ihren „BewohnerInnen“ befreien. Gleiches gilt für Spinnennester (ja Ron, wir können wieder nicht den Schmetterlingen folgen) … Wobei!!! Doch können wir schon, denn es gibt eine Aktivität, in der es einem Schwarm Schmetterlingen zu folgen gilt. Am Ende wartet jeweils ein kleiner Schatz.

Seid ihr auf dem Besen unterwegs laden Ballonketten ein, die man zum Platzen bringen sollte, oder man aktiviert spezielle Landeplattformen. Landet doch mal auf einer und seht was passiert. Sehr spät im Spiel könnt ihr euch ein wenig der Astronomie hingeben und Sternbilder am nächtlichen Himmel beobachten. Wirklich relevant für das Spiel sind hingegen zwei dieser Aktivitäten auf der Weltkarte: Merlins Rätsel und die „Spuren alter Magie“. Letzteres sind kleine Suchrätsel auf engem Raum, in dem ihr immer drei Spuren der Alten Magie aufnehmen müsst. Je mehr ihr von diesen Spuren in euch aufnehmt, desto öfter könnt ihr den ultimativen „Alte Magie Angriff“ im Kampf nutzen, oder Gegenstände werfen. Durch den Abschluss von „Merlins Rätsel“ (die für Kenner erstaunlich an die Schreinprüfungen in „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ erinnern), könnt ihr euren Inventar-Platz erweitern. Denn zugegeben ist der selbst auf der höchsten Stufe mit 32 Ausrüstungsplätzen spärlich aufgestellt. Lagerräume gibt es nicht (und ja ich habe auch gedacht, dass dafür doch der Raum der Wünsche fast schon prädestiniert ist).

Wer nicht nur diese Aktivitäten, sondern auch zahlreiche andere gewinnbringend verfolgen will, der sollte immer wieder einen Blick in seine „Herausforderungen“ werfen, denn dort werdet ihr für die unterschiedlichsten Spielfortschritte in fünf Kategorien (Kampf, Aufträge, Erkundung, Handbuchseiten, Raum der Wünsche) mit diversen Optik-Items aber auch wirklich nützlichen Dingen belohnt. Ich habe die Verbesserungen der „Alten Magie“ und euren Inventar-Stauraum erwähnt: Diese müssen genau dort erst FREIGESCHALTET werden – allein das Abschließen der Aktivitäten erlaubt euch nämlich nur den Zugriff zu den Verbesserungen. (ja wieder unnötig kompliziert, trotz eigentlich hoher Zugänglichkeit).

Raum der Wünsche:

Jetzt haben wir schon so viel über DIESEN Raum (und leider auch insgesamt viel über das Gameplay) gesprochen, da müssen wir doch auch mal genauer darauf eingehen. Wie so vieles was „Freiheit“ in diesem Spiel bringt, muss auch der Raum der Wünsche durch eine passende Mission freigespielt werden. Auch wieder leider sehr spät im Spiel. Ist das dann passiert müssen noch ein paar Nebenmissionen geschafft werden, ehe der Raum seinen vollen Nutzen erbringen kann. In diesem Abschnitt spreche ich vom Raum mit VOLLEM Nutzen – also nach Abschluss der passenden Missionsreihe.

Im Raum könnt ihr euch nicht nur gestalterisch austoben und beinahe jedes Eck individuell gestalten. Von unzähligen Deko-Artikel bis hin zum allgemeinen Erscheinungsbild, sind euch hier beinahe keine Grenzen gesetzt. So wirklich gereizt hat mich das Deko-Element des Raums aber nie, denn in erster Linie ist der Raum gameplaytechnisch hochfunktional zu nutzen. Ihr könnt euch hier Pflanz- und Trankstationen aufbauen, damit ihr jederzeit bestens mit Hilfsitems versorgt seid, oder ihr „Eintrittsblätter“ für Merlins Prüfungen habt, denn ja tatsächlich müsst ihr diese umständlich mit Malvenkrautblättern aktivieren. Neben diesen Produktionsstätten könnt ihr noch Materialverfeinerer oder Kompostanlagen erschaffen. Erster beliefert euch mit „Mondsteinen“, das ist eure Währung im Raum der Wünsche. Denn nur mit genügend Mondsteinen könnt ihr neue Deko-Artikel oder Produktionsstätten erschaffen. Kompostanlagen liefern Dünger und die treiben eure pflanzlichen Erträge in die Höhe – nicht mehr, aber halt auch nicht weniger.

Bereits erwähnt sind die Stationen zum Entschlüsseln unbekannter Ausrüstungsgegenstände und der magische Webstuhl, an dem ihr dann eure Ausrüstungen verbessern könnt. Ihr könnt euch aber auch in eines der vier Tierwesen-Biotope begeben und dort magische Tierwesen halten. Jedes Biotop erlaubt euch bis zu zwölf Tierwesen aus maximal vier Tierarten zu halten. Also insgesamt 48 Tierwesen aus maximal 16 Arten. Jedes Tierwesen liefert bei genügend Zuneigung Materialien, die ihr eben für die Verbesserung eurer Ausrüstung benötigt. Es ist dabei völlig egal in welchem Biotop ihr welches Tierwesen haltet, sie fühlen sich überall gleich wohl – so unpassend das Terrain auch wirken will.

Und das war tatsächlich auch schon der ganze Nutzen des Raums der Wünsche. Ich persönlich hatte mir hier etwas mehr erwartet. Dass der Raum noch mehr zum persönlichen „Hub“ wird. Doch irgendwie verkommt er sehr zum „Zweckmittel“, in dem man schnell seine Hilfsmittel auffüllt, Malvenkraut anpflanzt und fix Tierwesen einsperrt, um Materialien von ihnen zu erhalten. Warum man eine Zuchtoption einbaut, erschließt sich mir nicht. Und auch nicht, warum die Produktionsstätten erst für SEHR teures Geld in Hogsmeade erstanden werden müssen. Und man NIRGENDS Stauraum hat für zu viele sammelbare Ausrüstungsgegenstände. Diese müssen immer umständlich verkauft werden oder man entsorgt sie in der Not „kostenlos“. Schade, hier wäre mehr Feingefühl nötig und auch möglich gewesen, um noch mehr aus dem Raum herauszuholen. Auch eine großzügigere Dekorierung angelehnt an die Häuser fehlt, lediglich mit einem Banner nähert man sich den Häusern an. Aber mehr als ein Hufflepuff-Banner (oder „was auch immer euer Lieblingshaus ist“-Dekoartikel) wollte nicht wirklich herausspringen.  

Grafik: Alex und der Traum eines jeden Potterheads

Bei der grafischen Inszenierung von „Hogwarts Legacy“ werde ich nicht umhin kommen ein bisschen ins Schwärmen zu geraten, denn diese erfüllt alles und noch so viel mehr von dem, was ich mir gewünscht habe. Selten habe ich öfter mit offenem Mund und Gänsehaut vor dem Bildschirm gesessen und habe einfach nur den Ausblick genossen. Dieses „mitgenommen werden“ in eine Welt, die man aus so vielen Sichtweisen bereits gesehen und beschrieben bekommen hat, ist großartig. Den Verantwortlichen von Avalanche Software ist hier etwas Großartiges gelungen. Ich mag die Darstellung von Hogwarts, das insgesamt noch ein wenig mehr wie ein Museum wirkt als später zu Harrys Zeiten. Ich mag die Gestaltung der Außenwelt rund um Hogwarts. Hogsmeade ist ein großartiger Ort zum Bummeln und Shoppen. Die südlichen Regionen laden zu gemütlichen Flugrunden ein, während der Norden mit dem verbotenen Wald viele verwinkelte Passagen – und jede Menge Spinnen – liefert.

Auch wenn die Geschichte 200 Jahre vor dem bekanntesten Zeitzeugen spielt, ist es doch schön so manches Bekanntes zu sehen. Die Ortschaften habe ich bereits erwähnt, aber beispielsweise auch bei den Tierwesen gibt es vieles, dass man entweder schon mit Harry oder dann auch mit Newt bereits entdeckt und kennengelernt hat. Und ja: Es gibt einen Hippogreif, es gibt einen Phoenix und sogar Einhörner soll es geben! (oder sucht doch mal in Hogwarts nach der Küche) Alles wurde von den Verantwortlichen mit hohem Detailgrad designt und implementiert. Ich könnte mir hier auch vorstellen, dass es zwischen Avalanche und Warner Bros. (den aktuellen Rechteinhabern der „Wizarding World“) einen ähnlichen Deal gab wie beispielsweise zwischen Electronic Arts und Disney, der es ermöglicht auf interne Skizzen, Entwürfe und Designs zurückzugreifen.

Die großartige Optik zieht sich durch alle Bereiche des Spiels. Es gibt nichts, woran ich mich persönlich hätte, satt gesehen. Es gibt auch keine Übertreibungen oder besonders auffällige Inszenierungen. Alles passt so wunderbar in das Universum. Es gibt auch verschiedene Jahreszeiten! Diese werden mit dem Verlauf der Handlung automatisch aktiviert und so könnt ihr Hogwarts auch zur Halloween-Zeit im Herbst oder zur Weihnachtszeit im Winter erleben. Optisch großartige Pluspunkte. Würde man aber nach einem Kritikpunkt suchen, dann könnte man den wohl im Charakterdesign finden. Denn während dieses im Grundsatz auch wirklich gut gelungen ist, so scheint den Charakteren nach jedem Dialog mit euch jegliche Optik aus der Miene zu fallen. Das Gesicht wird einmal „zurückgesetzt“ und verleiht dadurch den Auftritten eurer Mitmenschen etwas roboterartiges. An diesen Umstand muss man sich tatsächlich erst gewöhnen. Und ja natürlich gibt es auch den ein oder anderen Glitch, Optikfehler, verzerrte Kameraeinstellung und so weiter. Aber in der Seltenheit ist das in einem Spiel dieser Größenordnung kaum komplett zu vermeiden.

Sound: Alex und die Klänge der Zaubererwelt

Der legendäre Soundtrack von John Williams liegt wohl den meisten noch im Ohr. Da ist es eine entsprechende Herausforderung für die Verantwortlichen hier die richtige Umsetzung zu finden. Aus meiner Sicht ist ihnen das aber ausgesprochen souverän gelungen. Immer wieder werden Anleihen, die an die Werke des Großmeisters erinnern, als Grundlage oder Hommage innerhalb der Kompositionen verwendet. Im Grundsatz wird man im Spiel aber von einem originalen Soundtrack begleitet und das ist auch gut so. Ich mochte die orchestrale, aber auch zurückhaltende Komposition sehr gerne. Die zumeist schüchtern wirkenden Musiken kombinieren sich jederzeit gut mit den eingesetzten Szenerien und untermalen somit gekonnt die so großartig dargestellte Welt in „Hogwarts Legacy“.

Wenn man jetzt auf so manchen „Fan“, Presseartikel oder sonstigem Gegröle in sozialen Medien lauscht, dann scheint sich die komplette Gamerschaft aber gegen eine Sache in „Hogwarts Legacy“ verschworen zu haben. Und nein ich meine damit nicht den Boykottaufruf aufgrund J.K. Rowling. Ich rede vom „Genervt sein“ aufgrund des ständigen vor sich hin Plapperns von SchülerInnen, ProfessorInnen und Schnellreiseportalen. Und ja, die meisten Sätze sind wahlweise überflüssig oder wirken sogar deplatziert bzw. aus dem Zusammenhang gerissen. Es soll hier zwar eine Art Illusion laufender Dialoge erschaffen werden, in deren Hörweite ihr erst kommt, aber hier stimmt dann größtenteils doch das Timing nicht. Das Ergebnis sind eben viele Menschen, die seltsame Selbstgespräche führen. Ein kleiner Knick in der „Optik“ der Soundgestaltung.

Aber abgesehen davon weiß die Synchronisierung definitiv zu überzeugen. Die Stimmen der ProfessorInnen und auch der zentralen SchülerInnen von Hogwarts sind jederzeit treffend. Meine zwei Favoriten: Die Professoren Fig und Weasley (ja richtig gelesen, natürlich muss ein bzw. eine Weasley auch in Hogwarts sein – zwei um ganz ehrlich zu sein). Die Stimmen und Texte wirken jederzeit auf den Punkt und erlauben es so den Inhalten des Spiels und vor allem seiner Handlung jederzeit und auch gerne zu folgen!

Fazit: Alex und der „Halb-Begeisterte“

Kurz nach der Ankündigung von „Hogwarts Legacy“ war meine Freude groß, wenig später aber auch meine Sorge: Wie wird man die „Wizarding World“ umsetzen? Wie viel Hogwartsleben wird es geben, gelingt ein Balancing zwischen Schülerleben und Erkundung einer möglicherweis existierenden (und wenn wie großen) Außenwelt von Hogwarts? Es waren solche Fragen, die mich umgetrieben haben und ich bin sehr erleichtert, dass ich alle mit einem wohligen Lächeln beantwortet bekommen habe. Streng genommen hat das Spiel bei mir schon gewonnen, als die Kamera zum ersten Mal über den großen See auf das Schloss zugefahren ist. Ab diesem Zeitpunkt wusste mein „Fan-Ich“, dass das jetzt sehr schöne Spielstunden werden.

Mein „Gamer-Ich“ war bereits da ein bisschen skeptisch und ja es sollte bis zum Ende so bleiben. Denn man kann jetzt eine Entscheidung von Avalanche Software wahlweise positiv oder auch negativ auslegen: Es wurde alles versucht um das Spiel so vielen Menschen zugänglich zu machen wie nur irgendwie möglich. Man hatte ständig das Gefühl, dass die Verantwortlichen hier weniger ein Spiel für GamerInnen geschaffen haben, sondern eines für Fans der „Wizarding World“ und allen seinen Geschichten. Aus diesem Grund sind viele Gameplay-Entscheidungen immer in Richtung „Spielerfreundlichkeit“ und nie „Herausforderung“ getroffen worden. Das Ergebnis ist nun ein Gameplay, dass uns Spielende nicht nur bei der Hand nimmt, sondern uns quasi am Arm packt und einmal durch die Handlung zerrt.

Gerade in Kombination mit dem Open-World-Charakter wirkt diese Art der Spielführung leider arg einschränkend. Geübte SpielerInnen werden sich zurecht fragen, wann man denn endlich in Ruhe und Frieden alles erkunden kann. Denn bis man eine nahezu komplette Spielfreiheit hat, ist man schon gut im letzten Drittel der Handlung angekommen. Auch in Sachen Schwierigkeit setzen die Verantwortlichen jede erdenkliche Stellschraube auf „Zugänglichkeit“. Was in diesem Zusammenhang dann aber verwunderlich ist, ist das unfassbar umständliche wie umfangreiche Belegungsmanagement der Tasten bei Gefechten.

„Hogwarts Legacy“ ist ein Spiel für Fans der Wizarding World und weniger ein Spiel für eingefleischte GamerInnen. Nach langem Hin und Her zwischen meinem „Fan“- und „Gaming-Ich“ bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass das die beste Entscheidung war, die man hätte treffen können. Einziger echter Wehrmutstropfen: Es gibt kein Quidditch… Danke Professor Black!!!! Ich hätte den Pokal echt gern mal bei Hufflepuff gesehen…

Keep on Gaming

Wertung

Pro und Contra

ProContra
Willkommen in HogwartsFannähe wichtiger als spielerische Herausforderung
Magische Tierwesen streichelnRoboter-Charaktere
Wizarding World erkundenSinnloses Gebrabbel
Eigenschaften der Häuser spiegeln sich in SchülerKompliziertes Combat-System
Fannähe wichtiger als spielerische Herausforderung 

Score:

KategoriePunkteBegründung
Story8Hat man die ersten holprigen Minuten hinter sich und ist in Hogwarts angekommen, entfaltet „Hogwarts Legacy“ schnell den Charme der „Harry Potter“-Filme. Ein übergeordneter Handlungsstrang führt als roter Faden durch das Schuljahr, während nebendran immer wieder SchülerInnen und ProfessorInnen mit Anliegen auf euch zukommen. Das vielleicht beste Schuljahr, das ihr haben werdet.
Gameplay6Hier bekommt man den scheinbar von den Verantwortlichen gefassten Grundsatz „Fannähe statt Spielernähe“ doch recht deutlich zu spüren. Gravierende Einschränkungen in Sachen freier Erkundung durch lineare Handlungsbindung zentraler Fähigkeiten und Gebiete auf der einen und unglaublich kleinteiliges wie aufwändiges Bewältigen von Gefechten dank fummeliger Tastenbelegung auf der anderen Seite.
Grafik9 ¾Gänsehaut, offener Mund und ja auch das ein oder andere Tränchen zu verdrücken hat für mich auch zum Erlebnis „Hogwarts Legacy“ gehört. Federführend dafür verantwortlich ist eine beinahe makellose grafische Inszenierung. Einzig die roboterartigen „Anfälle“ von Charakteren haben den Viertelpunkt gekostet.
Sound9 ¾So muss für mich eine Versoftung eines bekannten Universums aussehen und sich anhören. Immer wieder hört man die Ursprünge – vor allem aus dem Score eines John Williams. Aber dennoch ist immer alles original und neu. Kombiniert mit großartigen Synchronstimmen und Texten ergibt sich auch ein tonales Erlebnis auf höchster Stufe. Auch hier aber ein Viertelpunkt Abzug wegen manch diffusem Gebrabbel von Charakteren und Schnellreiseportalen – damit sich keiner beschwert ich würde dies ignorieren!
Gesamtwertung83 %„Hogwarts Legacy“ ist ein Spiel für Fans und weniger für GamerInnen. Der Titel erfüllt für viele Fans von Harry, Newt & Co. mal mehr und mal weniger lang gehegte Träume mittels eines Videospiels (wieder) so tief in diese magische Welt eintauchen zu können. Hier ist das möglich mit einer originalen Geschichte, großartigen Kostümen und wirklich sympathischen Handlungssträngen. Geübte Spielende werden dagegen etwas konstatiert feststellen müssen, dass sich das Spiel von ihnen eher abwendet, um dafür eine möglichst breite Masse an diesem Erlebnis teilhaben zu lassen. Und ich muss sagen: Das ist eine großartige und inklusive Entscheidung!

Infos:

PublisherWarner Bros. Games
EntwicklerAvalanche Software
Plattform(en)Playstation 4, 5
PC (Windows)
Nintendo Switch
Xbox One, Series
GenreAction RPG, Open World
Release (Deutschland)
PS5, Windows, XSXS 10 Februar 2023  
PlayStation 4, Xbox One (geplant) 5 Mai 2023  
Nintendo Switch (geplant) November 2023  
(geplant = Stand: 08.06.2023)
Websitehttps://www.hogwartslegacy.com/de-de
Alterseinstufung (USK)12 Jahre
SpielzeitCa. 51 Stunden (Handlung und fast komplettiert)
Systemanforderungen (bei Windows-PC) – Empfohlen (Quelle: Steam Store)Setzt 64-Bit-Prozessor und -Betriebssystem voraus Betriebssystem: 64-bit Windows 10
Prozessor: Intel Core i7-8700 (3.2Ghz) or AMD Ryzen 5 3600 (3.6 Ghz) Arbeitsspeicher: 16 GB RAM
Grafik: NVIDIA GeForce 1080 Ti or AMD Radeon RX 5700 XT or INTEL Arc A770
DirectX: Version 12
Speicherplatz: 85 GB verfügbarer Speicherplatz
Zusätzliche Anmerkungen: SSD, 1080p/60 fps, High Quality Settings  

Trailer zu „Hogwarts Legacy“: