Ein Zirkusmädchen und begabt als Jongleurin. Doch ihr Leben ist nur ein Schauspiel und ihr Dasein nur auf der Bühne strahlend; Eingesperrt im Käfig träumt sie davon frei zu sein, ob sie es schaffen wird, die Bälle ihres Lebens richtig zu jonglieren?
Konsole: Nintendo Switch
Autor: Phil-kun
Inhaltsverzeichnis

Gameplay: Ein einziges Puppentheater!
A Juggler’s Tale ist ein für die deutsche Gaming-Branche sehr interessanter Titel. Nicht nur wurde der Titel des Studios kaleidoscube durch das Games BW Projekt der MFG Baden-Württemberg gefördert, sondern es ist auch ein Preisträger zahlreicher deutscher und europäischer Awards. Darunter fallen der Deutsche Computerspielpreis 2019 für „Bester Nachwuchs-Prototyp“, Deutsche Computerspielpreis 2022 für „Beste Spielwelt und Ästhetik“ und die deutschen Entwicklerpreise 2021 für „Bestes Game Design“, „Beste Grafik“ sowie „Beste Story“.
Puh, ganz schön viele gewonnene Preise. Und wieso hat ein dreistündiges Abenteuer nun so viele Preise gewonnen?
Mal sehen, ob wir diese Frage im Laufe der Review beantwortet bekommen.
Und noch ein kleiner Hinweis: Die genutzten Bilder stammen nicht von der Nintendo Switch-Version. Ich habe hier absichtlich bessere Screenshots genutzt, um die Grafik besser zeigen zu können. Die Wertung ist aber wie gewohnt zugeschnitten auf den Release auf der Nintendo Switch.

Motivation: Sei frei!
„Meine Welt zeigt Abby ihre schmeichelndste Seite,
Bunte Blüten in augenverzaubernder Weite.
Im Wind wiegende Gräser die leisklingend summen
als hinter Abby die zweifelnden Stimmen verstummen.
Spross um Spross und Stein um Steine,
frei vom Zwang und von der Leine.“ – Der Erzähler
Ich werde diese Stimme in meinem Kopf wohl nie los. Tag ein und Tag aus erzählt sie mir wie mein Leben verläuft und dabei reimt sie sogar! Ich möchte doch nur frei sein, frei von dem Käfig im Zirkus und frei von den einengenden Fäden, die mich nach einer fremden Pfeife tanzen lassen.
Aber ich habe es schon geschafft! Die Flucht aus dem Zirkus ist mir schon geglückt und jetzt bin ich endlich zum ersten Mal frei! Wie die Welt da draußen wohl ist? Und wo ich nun überall hingehen kann? Ich kann es kaum erwarten, die freie große Welt zu erkunden!
Wieso wird es auf einmal dunkel und düster? Und wieso glaube ich, dass der Erzähler mir gleich etwas Schreckliches berichten wird? Es scheint so, als wäre meine Freiheit nicht von langer Dauer…
„Die Sonne sinkt samt ihres samtroten Schleiers
und überlässt der Dunkelheit die Nacht.
Wolken schneiden den Mond im spiegelnden Weiher,
Der kühle Wind säuselt sacht.
Die Jägershütte, ein fahler Lichtstreif, der wohl Sicherheit birgt
und du, kleine Abby, die seine schützende Güte umwirbt.
Doch schlummern Gefahren nicht oft erst recht im Lichte?
Und macht das Schutzsuchen nicht meist den Schutz zunichte?“ – Der Erzähler

Steuerung: Die Fäden des Schicksals!
Hier steuerst du die kleine Abby auf ihrer Reise durch ihre eigene Geschichte. Das Spiel präsentiert sich in einem 2D-Side-Scroller-Stil und gibt dir als Spieler die Möglichkeit Abby von links nach rechts zu bewegen, sowie zu springen, zu ducken und mit Gegenständen zu interagieren. Unter diesen Interaktionen ist auch das Werfen von manchen Gegenständen inbegriffen, wie zum Beispiel einen Apfel, um einen Bären anzulocken oder einen Stein, um einen Mechanismus zu betätigen.
Auf deiner Reise an der Seite von Abby musst du einige Puzzles lösen, um weiterzukommen. Wichtig dabei ist immer, dass Abby unerkannt bleibt. Denn die Welt meint es erstmal nicht gut mit der kleinen Abby und möchte alles Mögliche versuchen sie zu schnappen oder ihr Steine in den Weg zu legen.
Solltest du einmal scheitern, so kannst du dein Glück sofort neu herausfordern ohne Fortschritt zu verlieren, manchmal hilft dir sogar der gutherzige und großzügige Erzähler dabei. Schließlich möchte er selbst auch nur, dass Abby glücklich ist und dass sie wieder zur Vernunft kommt. Sie ist schließlich eine Jongleurin im Zirkus, warum sollte sie also ihren eigenen Weg gehen dürfen?

Inhalt: Eine Reise ohne Halt!
Das Geschwätz des Erzählers interessiert Abby nicht die Bohne. Sie versucht ihren eigenen Weg zu finden und reist daher, nach ihrem erfolgreichen Ausbruch aus dem Zirkus, in der Welt umher, um das zu finden, was sie sucht. Doch was genau sucht die kleine Abby nur?
Ist es Freiheit? Die Möglichkeit grenzenlos umherzuwandern und alles zu tun, was sie möchte. War es das, was sie wollte?
Ist es Mut? Die Möglichkeit ihre eigenen Gedanken zu überwinden und ihrem Herzen zu folgen. Hört sich das für Abby richtig an?
Ist es Heimat? Die Möglichkeit einen Ort zu haben zu dem sie jederzeit immer wieder heimkehren kann. Sehnt sich Abby nach ihr?
Was auch immer es ist was Abby sucht, sie versucht alles um es zu finden. Sie weiß eines jedoch sicher: Sie möchte ihren Weg selbst gehen und selbst bestimmen. Sie möchte nicht mehr eingesperrt sein und möchte sehen, wie die Welt außerhalb des Zirkuszeltes aussieht.
Wie weit sie wohl kommen mag? Und wo wird sie schließlich landen?
Der Erzähler weiß es; Abby wird das machen, was die Geschichte von ihr verlangt. Daher gibt es nur einen richtigen Weg: Abby ist Jongleurin und gehört in den Zirkus zurück!

Präsentation: Puppenhafte Spielerei!
Die Screenshots in der Review allein sprechen schon Bände. Trotz der einfachen 2D-Sidescroller-Spielwelt hat A Juggler’s Tale eine unglaubliche Tiefe in der Gestaltung der Level. Eine derartige Detailverliebtheit im Hintergrund ist selten bei Plattformern, aber immer gerne gesehen. Grafisch erinnert das Spiel demnach wie auch teilweise im Gameplay an Limbo, Inside oder auch Little Nightmares.
In der Präsentation gestaltet sich A Juggler’s Tale auch ähnlich zu diesen Genre-Größen, aber A Juggler’s Tale bleibt ein wenig freundlicher und weniger gruselig. Dennoch gibt es genug düstere Momente, in denen Abby ganz leise sein und vorsichtig voranschreiten muss.
Der Soundtrack wie auch die Soundeffekte verleihen diesem Atmosphäre-starkem Spiel eben diese. Die einzelnen Szenen erhalten dadurch mehr Tiefe und die begleitende Narration durch den Erzähler der Geschichte unterstreicht diese einzelnen Szenen genauso wie es ein Erzähler bei einem Puppenspiel machen sollte.

Fazit: Geh deinen eigenen Weg!
Und wie hat mir nun ein solch preisgekrönter Titel gefallen? Nun, die gewonnenen Awards verraten schon wie gut mir die Geschichte und wie gut mir die Präsentation gefallen hat, denn genau das waren auch die Kategorien in denen A Juggler’s Tale abgeräumt hatte.
Aber wie sieht es denn mit dem Gameplay und der Steuerung aus? Und wie ist die Spielwelt inhaltlich repräsentiert?
Nun, da kommen wir eben auch ein bisschen an die Grenzen von dem Genre und auch an die Grenzen von meinen Erfahrungen mit dem Genre. Genauer gesagt beziehe ich mich hier auf Spiele wie Limbo, Inside oder Little Nightmares. Rein oberflächlich betrachtet befinden sich all diese Spiele in dem gleichen Genre-Mix aus Adventure, Plattformer und Puzzle. Dennoch wird hier ein eigenes Genre geformt. Ein „Schleich-Adventure“ oder „Undercover-Adventure“.
Das Ziel in diesen Spielen ist immer eine hostile Umgebung zu überleben und von A nach B zu kommen. Meist ist man spielerisch dabei gefordert möglichst schleichend und unbemerkt dies zu erreichen. Verfolgungen, Schieberätsel, Lichtspiele und Schleich-Sequenzen sind dabei immer mit von der Partie.
Aus meiner Erfahrung heraus kann ich mich nur auf Little Nightmares beziehen, da ich tatsächlich nur den ersten Teil dieser Serie gespielt hatte und noch keinen anderen Vertreter dieses speziellen Genres. Und auch schon damals musste ich feststellen, dass ich selbst persönlich kein großer Fan von diesem Genre bin. Genau genommen bin ich kein Fan von diesen nervigen Schleich-Mechaniken inmitten von Action-Adventures oder Plattformern wie bei The Legend of Zelda Ocarina of Time. Eben jene, die den Spieler bei nur dem kleinsten Fehler und Entdeckt-Werden sofort damit bestrafen, dass man den Abschnitt nochmal von vorne spielen muss. Jene Mechaniken, die eben dem Spieler keine Chance geben anders zu reagieren. Witzigerweise bin ich zum Beispiel bei Skyrim gerne ein Assassin da ich dort zu jederzeit selbst bestimmen kann, wie viel ich schleiche und ab wann ich die Gefahren ausschalte. Aber genau das kann ich bei „Schleich-Adventure“-Spielen nicht machen.
Und da hilft es auch dann nicht, wenn das Spiel selbst eine etwas grobe Steuerung hat und dabei sogar noch weniger Fehler erlaubt, so wie es mir hier bei A Juggler’s Tale mehrere Male passierte.
Nichtsdestotrotz ist die Handlung ein absoluter Genuss und die Präsentation dieser ebenfalls. Diese beiden Aspekte schafften es, dass ich über die teils hakelige Steuerung hinweg spielen konnte und die fehlenden Vertiefungen in der Spielwelt verschmerzen konnte.
Viel Spaß beim Zocken!

Wertung
Pro und Contra
| Pro | Contra |
| Gute Narration | Reaktionsbasierte Puzzles |
Score
| Kategorie | Punkte | Begründung |
| Motivation | 9 | Wie wird die Geschichte wohl weitergehen? Diese Frage zieht sich durch das gesamte Spiel und hat mich nebst der guten Narration immer weiter motiviert. |
| Steuerung | 6 | Klar die Spielfigur hängt an Fäden und wehrt sich von ihnen geführt zu werden; Aber beinahe so wirkt auch die Steuerung. Manche Stellen im Spiel verlangen eine zu genaue Steuerung, obgleich das Spiel Probleme hat sie zu erkennen. Vielleicht ein Nintendo Switch-Problem? |
| Inhalt | 6 | Bei einer dreistündigen Erzählung als Abenteuer ist mehr Inhalt fast nicht zu erwarten. Dennoch hätte ich gerne mehr von den Charakteren und der Welt kennengelernt. |
| Präsentation | 8 | Leicht stockende Bilder auf der Nintendo Switch. Sonst eine grandiose Darstellung eines lebendigen Puppentheaters. |
| Gesamt | 73 % | A Juggler’s Tale ist ein einzigartiges Abenteuer, dass gerade bei Fans von narrativen Abenteuern mit Schleichelementen gut ankommen wird. |
Infos
| Publisher | Mixtvision Games, Assemble Entertainment |
| Entwickler | kaleidoscube, Kaleidoscube GmbH |
| Plattform | PlayStation 5, Nintendo Switch, PlayStation 4, Xbox One, Microsoft Windows, Xbox Series |
| Genres | Plattformer, Adventure |
| Release | 29. September 2021 |
| Website | https://ajugglerstale.com/ |
| Preis | 14,99 € |
| Altersfreigabe | USK ab 6 Jahren |
| Spielzeit | 2-3 Stunden |