Dass sich das GamesFestival in München in den letzten sechs Jahren in der Gaming-Szene etabliert hat, ließ sich an diesem 20.06.2026 zweifelsohne nicht leugnen. Dass das GamesFestival sonst aber weitaus größere Räumlichkeiten gewohnt ist jedoch auch nicht. Dennoch – oder vielleicht auch gerade deswegen – waren wir von Game-Kritk sehr gespannt, wie denn so ein Festival mit Gaming-Schwerpunkt aussehen würde. Wir haben uns in die Hitzeschlacht begeben, uns dem Endboss „Treppenhaus“ gestellt und viele bekannte Gesichter wiedergesehen. Über all das könnt ihr in unserer Zusammenfassung zu einem Nachmittag voller Gaming, Auszeichnungen und immer weiter steigenderen Temperaturen nachlesen.

Inhaltsverzeichnis

Autoren: Alex, Phil-kun

Allgemeines über das GamesFestival

Da wir in diesem Jahr das erste Mal beim Münchener GamesFestival dabei waren, haben wir uns gedacht, wir nutzen diesen Beginn des Beitrags direkt, um euch einmal abzuholen und das Festival zunächst einmal vorzustellen. Das GamesFestival findet seit 2021 statt und ist im Grunde die Zusammenarbeit von einer überraschend großen Anzahl an Institutionen, Behörden, Einrichtungen und damit auch Menschen. Veranstalter für das Event ist die ComputerSpielAkademie des Medienzentrums München des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung München und des Bayerischen Jugendrings. Als Finanzpartner treten das Bayerische Sozialministerium und Games/Bavaria auf. Weitere Partner sind u.a.:

  • Vivid Arise eSports e.V.
  • Munic ESports e.V.
  • Videospielkultur e.V.
  • „Tschakka“ vom Kreisjugendring München-Stadt

Ziel dieser gemeinsamen Veranstaltung solle es vor allem sein Jugendliche und junge Erwachsene bis ca. 28 Jahre nicht nur mit dem Thema Gaming in Kontakt zu bringen, sondern sie auch im Umgang damit zu fördern. Als zentrales Instrument dieser Förderung dient der mit dem Festival ins Leben gerufene GamesPreis. Mit ihm werden diese Zielgruppen konkret für ihr Bestreben zu Belebung der Spielekultur oder aber natürlich auch für die Entwicklung und Fertigstellung von Videospielen ausgezeichnet.

Ein wichtiger Punkt des Festivals ist es zudem auch, dass man sich bereits in jungen Jahren bzw. ganz am Anfang der eigenen beruflichen Karriere nicht nur bereits ein Netzwerk aufbaut, sondern sich auch in einem solchen platzieren kann. Denn beim GamesFestival spürt man ein enges Zusammenrücken der Gamingszene – mit Fokus auf München und deren Metropolregion, aber auch bayernweit.

Auf dem GamesFestival selbst steht – im Gegensatz zu anderen Gaming-Veranstaltungen – dann tatsächlich auch ausschließlich das Thema Gaming im Fokus. Beim Programm für die 2026´er Ausgabe wird das eindrucksvoll deutlich: Keine Shops, kein Cosplay und dafür überraschend viel direktes Gaming und das Vermitteln von Medienkompetenz im Bereich Streaming mit eigenem Talk und zwei Test-Stream-Slots, in denen man sich mal ausprobieren konnte. Gerade dieser Fokus auf die Medienkompetenz und dem Geschäftsmodell „Streaming“ ist mit Blick auf die Kernzielgruppe der Veranstaltung ein unglaublich wichtiger Punkt.

Und wie genau all das jetzt im Jahr 2026 funktioniert hat, verraten wir euch jetzt in unseren persönlichen Einschätzungen zum GamesFestival26!

Das GamesFestival26 – Unsere Eindrücke des Premierenbesuchs

Alex´ Eindrücke

Begegnet ist mir das GamesFestival in den letzten Jahren immer wieder – vor allem durch deren Präsenz auf der „GG Bavaria“. Teilnahmen waren bisher aber immer nicht möglich, deswegen habe ich mich persönlich gefreut, als dieses Jahr dann klar war: Das wird klappen. Warum 2026 jetzt gleichzeitig das komplett richtige, aber auch komplett falsche Jahre für einen Erstbesuch war, will ich versuchen in diesem Abschnitt zu beschreiben.

Fangen wir mit dem „Falsch“ an, denn und das hat man der lokalen Organisation relativ schnell angemerkt: Die Location ist keine, die das GamesFestival erstens gewohnt war und ihm zweitens ausgereicht hat. Für euch zur Einordnung: Zuletzt fand das GamesFestival in den Räumlichkeiten „FatCat“ in München statt. Diese Einrichtung ist für Veranstaltungen, Konzerte und Events wie das GamesFestival genau richtig und vor allem entsprechend groß (für alle mit Ortskenntnisse in München: Das sind die Räumlichkeiten des „alten Gasteig“). In diesem Jahr hat das GamesFestival seine Heimat im Medienzentrum München gefunden. Probleme dieser Location: Das ist eigentlich ein „normales“ Bürogebäude mit genau dieser Raumaufteilung. Also keine großen Räume für Workshops, große Gaming-Areas oder gar „Bühnen“. Und wenn man sich den Internetauftritt des GamesFestival durchliest, dann stößt man mit der Formulierung „Manchmal braucht es keinen langen Umweg, sondern nur den richtigen Impuls zur richtigen Zeit.“ aus meiner Sicht auf einen kleinen Hinweis, dass der Veranstaltungsort die einzige bzw. glückliche Option war, das Festival vor einer Absage zu wahren.

Und wenn wir die Tatsache eines ausgefallenen Aufzugs bei der Nutzung aller fünf (!!!) Stockwerke, zu viele Menschen in zu kleinen Räumen und das Fehlen so gut wie jeglicher Klimatisierung bei wohligen 35 Grad mal ausblenden – oder herausschwitzen – dann findet man an diesem Veranstaltungsort aber auch einen gigantisch positiven Aspekt, zumindest ist es mir so vorgekommen: Er hat die Verantwortlichen und die Veranstaltungsleitung dazu „genötigt“ sich auf die Basis und die Kernfeatures des GamesFestival zu konzentrieren. Platz für „Gimmick “ und „Schnick-Schnack“ war schlicht und ergreifend nicht vorhanden. Aus diesem Grund konnte ich das GamesFestival in seinem Kern kennenlernen und die Werte und Ziele in komprimierter Form erkennen. Ich war beeindruckt wie clean und direkt sich die Verantwortlichen auf eben diese Kernkompetenzen beschränkt haben. Dass dafür sicherlich nicht nur ein „Opfer“ erbracht werden musste und das GamesFestival26 eigentlich viel mehr und größer hätte sein können, liegt dabei übrigens auf der Hand. Diese erzwungen angezogene Handbremse hat man der gesamten Veranstaltung durchaus angemerkt.

Ich möchte daher jetzt aber nicht genau das als Kritikpunkt verwenden, sondern eben auch als meine Begründung, warum diese Ausgabe des GamesFestival genau die richtige war, um die Veranstaltung das erste Mal zu besuchen: Durch diese Limitationen viel das Kennenlernen und Erkennen des Vorhabens angenehm einfach und gleichzeitig habe ich mich dabei ertappt mir immer wieder vorzustellen, wie das denn jetzt in beispielsweise den Räumlichkeiten der letzten beiden Jahre ausgesehen hätte. Nochmal: Das ist an der Stelle dann keine Kritik, sondern ein Anerkennen des bisher Geleisteten. Und ich hoffe ich darf und kann das GamesFestival27 dann ohne angezogene Handbremse erleben.

Phil-kun´s Eindrücke:

Der Name ist hier tatsächlich Programm: GamesFestival

Also eine Veranstaltung, welche Videospiele feiert. Und genauso habe ich den Nachmittag auch erleben können. Im zentralen Fokus stand vor allem die Vermittlung von Medienkompetenz, was mit entsprechenden Vorträgen und Workshops auch gut vermittelt wurde. Was ist KI? Wie funktioniert das Spieleprogrammieren? Was bedeutet es ein Streamer zu sein? Wie kann man sich das Programmieren vorstellen? Und welche Herausforderungen gibt es in der Industrie zur Zeit?

Diese Fragen wurden bei den Vorträgen und Workshops angeschnitten und näher beleuchtet. Wir haben zwar aus zeitlichen Gründen nichts davon gesehen, aber allein schon, dass im Programm ein solch starker Fokus aufzufinden ist, war für mich schon ein großer positiver Aspekt der Veranstaltung. Ansonsten hat man hier wirklich die Leidenschaft von Videospielen gemerkt. Sei es beim Reallife-Mariokart oder beim Zocken der für die Veranstaltungsgröße zahlreichen angebotenen Spielestationen. Auch hier konnte man Videospiele in allen Facetten erleben. Sei es das Arcade-Feeling, Esport oder die Retroecke; Hier war für jeden was dabei. Und wie sieht es mit neuen Entwicklungen aus? Auch dafür war gut gesorgt!

Unsere Spieleentdeckungen des GamesFestival26

Zu einem GamesFestival gehören natürlich auch Videospiele. Im „Pizza & Playtest“ konnten neue Entwicklungen von Spielen, oder auch schon fertige Exemplare, von jungen Entwicklern gespielt werden. Ziel des Playtests ist hier das gleiche wie auch regulären Spielemessen: Die Spiele sollen angezockt werden, damit die Entwickler Feedback bekommen, was den Spielern gefällt und was nicht.

Nebst dem offiziellen Playtest waren aber auch zwei uns schon bekannte Entwickler ebenfalls vor Ort. Zum einen Playton mit Sang-Je und das Team von VOID. Beide Spiele waren in ihrer von uns zuletzt gespielten Version wieder vor Ort. Wie immer schön bekannt Gesichter zu treffen und sich auszutauschen, wir könnten zudem auch noch bei Sang-Je in einem Video auftauchen, während wir zocken.

Im Playtest-Raum haben wir zudem auch Slothmotion wiedergetroffen, welche für das Spiel Post Apocalypse ausgezeichnet wurden. Ebenso fand sich im Playtest-Raum auch das Spie Fading Echoes, das ebenso eine Auszeichnung bekommen hat; Fading Echoes ist ein charmanter Plattformer, welcher mit der Zeit spielt; Wenn im Spiel die Zeit vergeht, verblasst die Spielfeld immer stärker in Grautöne, ein interessantes Konzept; Wir haben es leider zeitlich nicht geschafft, dass Spiel anzuspielen.

Nebst den anderen Titeln im Playtest haben wir hier noch ein paar hervorgehoben, die wir auch angezockt haben. Bevor wir dorthin aber übergehen, möchte ich an dieser Stelle noch zwei Titel nennen, die bereits auch auf Steam zu finden sind:  In Handshakes: Hands On steuert man zwei Hände, die sich die Hand geben wollen. Das Ganze führt einen dabei durch ein Labyrinth. Das Spiel ist eine Fortsetzung eines sehr charmanten kostenlosen Spiels auf Itch.io namens Handshakes.

Außerdem ist uns auch Bonehearts ins Auge gestochen aufgrund des sehr schönen Grafikstils und des flüssigen Gameplays. In diesem 3D-Plattformer ist man wohl ein Totenschädel und ein Skelett, welches aber nicht zum Schädel passt. Entsprechend kann man die beiden auch getrennt voneinander steuern. Diese Kombination ergibt einen actionreichen Plattformer, bei dem man den Kopf nicht verlieren sollte.

Project Titanheart

Ein interessanter Prototyp, welcher die Spielmechaniken eines 2D-Monster Hunter zeigt. Hier konnten wir eine Figur steuern, welche einen großen Gegner angreift. Dabei hatten wir die Möglichkeit mit der Figur zu springen, auszuweichen/dashen und anzugreifen. Die Angriffe konnten mit leichten und schweren Angriffen variiert werden. Ein Spielkonzept, dass man grundsätzlich schon von vielen Metroidvania/Soulsvania spielen kennt, aber die Prämisse, dass hier ein Monster Hunter-ähnliches Spiel mit einer angestrebten 2,5D-Optik entstehen kann, ist schon sehr spannend für mich. Ich persönlich kenne nämlich keine Spiele, die etwas ähnliches bisher versucht hätten.

Mining Away

Ich mag Idle-Spiele; ja, warum auch immer, aber ich mag sie. Hier können wir einen Minenarbeiter durch ein Level steuern, Steine abbauen und nach einem Run Upgrades kaufen, welche es uns ermöglichen einen längeren Run zu spielen und mehr Steine abzubauen, um dann wieder Upgrades zu kaufen. Ein gewohnter Loop, der in diesem Setting durchaus gut funktionieren kann. Die Low-Poly-3D-Optik passt auch sehr gut zu dem Mining-Konzept.

Colonterra

Survival ist nicht gerade unser Genre; Und Basenbau ist auch etwas, was ich eigentlich nur wirklich bei Minecraft gemacht habe. Hier sind wir in einem Milieu, indem wir eigentlich nicht unterwegs sind. Colonterra hat uns aber doch interessiert, weil es eine besondere Optik hat und es mich an Subnautica erinnert hat, aber hier auf dem Land spielend.

Gespielt konnte ihr ein Prototyp, der schon gut aufzeigt, was das Spiel alles parat hat. Auch hier haben wir einen Low-Poly-3D-Look, der mich persönlich stark an die Stranded-Spielereihe erinnert hat und das nicht nur wegen dem Aussehen, sondern auch wegen dem Gameplay.

Ich bin gespannt, wo bei diesem ambitionierten Solodev-Projekt die Reise noch hingeht. Übrigens: Der Entwickler Jakob Schlapschy (Paladov) ist ein 18-jähriger Schüler, welcher bereits letztes Jahr mit seinem Erstlingswerk Be Silent beim GamesFestival einen Preis gewonnen hat.

Steam: Steam

Der GamesPreis26 – Wer hat gewonnen?

Wir haben es oben bei der kurzen Vorstellung des GamesFestivals schon angerissen, dass mit diesem Festival verbunden auch der GamesPreis ins Leben gerufen wurde. Er wird daher logischerweise durch die gleiche Organisatoren getragen und von den gleichen Partnern unterstützt. Der GamesPreis ist eine Jury-Auszeichnung und würdigt Projekte in zwei Altersgruppen: „Bis 18 Jahre“ und „19 bis 27 Jahre“. Ausgezeichnet werden Projekte dabei in den Kategorien „(Digitale) Spielkultur, Prototyp und „Fertiges Spiel“. Dazu gibt es immer noch „Ehrenvolle Erwähnungen“ und Sonderpreise der Jury.

Apropos Jury: Diese besteht in diesem Jahr aus Mitgliedern, die aus dem Gaming, der Politik und der Pädagogik kommen. Für den GamesPreis26 waren das u.a.:

  • Agnes Hammer (Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales)
  • Jonas Lutz (Bayerischer Jugendring)
  • Anna Strobl (Ehemalige Gewinnerin eines GamesPreis)
  • Clemens Hochreiter (Entwickler & Professor für Game Design & Management)
  • Oliver Güttler (Games/Bavaria)

Jetzt aber zu der wichtigen Frage: Wer hat denn gewonnen?

Kategorie bis 18 Jahre:

  • Engagement für (digitale) Spielkultur:
    • Zeitstrahl der Videospielgeschichte (Samuel Dierl, AA Games Regensburg)
  • Bester Prototyp:
    • Fading Echoes (Aurelio Buch, Hermine Walz, AA Games Regensburg)
  • Bestes fertiges Spiel:
  • Ehrenvolle Erwähnung:
  • „Shortcut“-Sonderpreis der Jury:
    • Memory Matrix (Janik Mex)

Kategorie 19 bis 27 Jahre:

Keep on Gaming und Viel Spaß beim Zocken