Was es mit dem Anhängsel in der Überschrift auf sich hat, will ich euch nicht gleich im ersten Satz dieses Beitrags verraten. Damit warten wir noch. Ich möchte euch in dieser Zusammenfassung mitnehmen auf die Verleihung des deutschen Computerspielpreises 2026. Dieser wurde am 29.04.2026 im Herkulessaal der Münchener Residenz verliehen. Ein Ort der Geschichte, der Tradition und vor allem auch des mittelalterlichen Glamours der Familie der Wittelsbacher trifft auf die aktuellsten und jüngsten Entwicklungen der deutschen (und internationalen) Gameskultur. Eine herrliche Kombination aus Moderne und Antike, die ich persönlich schon alleine durch den Stream sehr ansprechend gefunden habe. Kommt mit in meine Zusammenfassung und lest nach, welche Titel sich einen Teil der 800.000 € Preisgeld gesichert hat!
Autor: Alex

18 mal Deutscher Computerspielpreis!
Als Bundesforschungsministerin Dorothee Bär am Ende der Verleihung ihre Rede mit den Worten eingeleitet hat, dass der deutsche Computerspielpreis volljährig wird, musste ich tatsächlich schlucken, hatte danach aber auch gleich die Einleitung für diesen ersten Abschnitt meiner Zusammenfassung. Seit 2009 wird der Computerspielpreis in dieser Form verliehen. Immer mit gestiegenem Preisgeld und vor allem auch mit gestiegenem Prestige und gestiegener Anerkennung innerhalb der Branche. Showtechnisch gab es dagegen durchaus Auf und Abs, doch auch das hat sich in den letzten Jahren unglaublich stark verbessert, was nicht zuletzt am mittlerweile bestens eingespieltem Moderations-Duo Uke Bosse und Katrin Bauerfeind liegt. Doch so beständig die Moderation auch ist, so wandelbar ist die Preisverleihung. Nicht nur, weil sie ihr jährliches Pendelspiel zwischen den Standorten München und Berlin betreibt, sondern auch weil vor allem auch die politische Beachtung der Veranstaltung immer gewichtiger wird.

Ich erinnere mich zurück, als wir 2024 beim letzten Stopp in München dabei sein konnten. Zum ersten Mal in der Geschichte des Deutscher Computerspielpreis (DCP) war hier auch der amtierende bayerische Ministerpräsident dabei . Im nächsten Jahr wurde das dann durch den regierenden Bürgermeister Berlins gemeinsam mit Bundesforschungsministerin Bär getoppt. Und dieses Jahr zog Bayern nach und kombinierte bayerische Games-Macht mit „Gamingminister“ Dr. Fabian Mehring, Bundesforschungsministerin und wieder dem bayerischen Ministerpräsidenten. Für mich ist das eine großartige Entwicklung, denn die politische Beachtung ist vor allem im Hinblick auf die Ermöglichung von Förderungen oder Gewährung sonstiger Erleichterungen ein unausweichlicher Bestandteil des Erfolgs der deutschen Gamingbranche.
Anders als im Jahr 2024, war es uns von Game-Kritik in diesem Jahr leider nicht möglich persönlich in der ehrwürdigen Münchener Residenz mit anwesend gewesen zu sein, als sich die deutsche Gamingkultur zum großen Klassentreffen versammelt hat. Wir haben die Veranstaltung über den offiziellen Stream (den wir euch am Ende auch noch zur Verfügung stellen) verfolgt. Dabei wurde vor allem der Eindruck vermittelt, dass die Münchener Residenz zwar prima als „Vor-Ort-Location“ funktioniert, aber in Sachen Streaming durchaus seine Macken hat – vor allem was die Geräuschkulisse angeht (in der Pre- und Postshow). Aber das nur als Bemerkung am Rande.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass die Location und auch die gesamte Produktion der Show einen sehr würdigen Rahmen hatte. Gegebenenfalls wäre es schön gewesen während der Show noch die ein oder andere „Auflockerung“ oder „Abwechslung“ hineinzubringen. Die relativ eng beieinander gelegenen Musikacts hätten das sein können. Vielleicht sollte man das für 2027 überdenken – auch wenn man dann vielleicht noch ein paar Minuten mehr Laufzeit generiert. Generell fand ich die Laufzeit von knapp zweieinhalb Stunden bei 15 Preiskategorien jetzt nicht übertrieben lange. Was mir hingegen sehr positiv aufgefallen ist und das hat mich besonders deswegen gefreut, weil ich den Eindruck auch in den letzten Jahren durch die vielen kleinen Gaming-Conventions erhalte: Die positive Atmosphäre und Stimmung vor Ort und das gönnerhafte und unterstützende Verhalten der Nominierten. Da hat jeder allen den Erfolg gegönnt. Man hat sich miteinander gefreut, Ausgezeichnete wurden geherzt, anerkennende Schulterklopfer und Umarmungen. Dieser Spirit der deutschen Gaming-Branche ist fantastisch. Es war deswegen auch so schön, das jetzt mal durch Beobachtungen von branchenfremden Persönlichkeiten bestätigt zu bekommen.
Die Nominierten und Ausgezeichneten
(die PreisträgerInnen sind jeweils im DCP-blau hervorgehoben)
Bestes Familienspiel:
- Oddsparks: An Automation Adventure (Handygames/Massive Miniteam)
- Ruffy And The Riverside (Zockrates Laboratories/Phiphen Games)
- Flick Shot Rogues (Noodlecake Studios/Butter By The Fish)
Bestes Debüt (Nachwuchspreis):
- Tiny Bookshop (Skystone Games/neoludic games)
- Constance (Byte Rockers´ Game/Blue Backpack)
- Causal Loop (Headup/Mirebound)
Bestes Gamedesign:
- The Darkest Files (Paintbucket Games)
- Slots & Daggers (Future Friends Games/Friedemann)
- Super Meat Boy 3D (Headup/Sluggerfly)
Bester Prototyp (Nachwuchspreis):
- Burn with Me (Eva Manuilovich, Ivan Bushmin, Nikita Melnikov)
- Garden Ink (Arne Jürgens, Sven Mehlhorn)
- Heart Drive (HAW Hamburg/Jonas Pfeiffer)
- Cards & Cannons (HTW Berlin/DE:HIVE/Anica Gritzki, Jennifer Seeber, Luca Schmidt, Lucas Thieme, Jan-Ivo Lattek, Julian Seidel)
- UnderPressure (Hochschule Darmstadt/Aaliyah Schäfer, Romy Scherwat, Lea Eschlberger, Tim Richter, Fabius Sachs, Felina Westrich, Malvina Arakelian, Rosalie Stallmann)
Beste Story:
- The Darkest Files (Paintbucket Games)
- The Berlin Apartment (ByteRockers´ Games/Blue Backback)
- PEPPERED (Mostly Games)
Spieler*In des Jahres:
- Felikah
- Copeylius
- Dennsen86
- JenNyan
Sonderpreis der Jury:
- RadiGaMe – Forschungsprojekt bzw. -verbund zur Erforschung zu Radikalisierung durch oder in Videospielen
Bestes Audiodesign:
- Anno 117: Pax Romana (Ubisoft/Ubisoft Mainz)
- Duck Detective: The Ghost of Glamping (Happy Broccoli Games)
- EVERSPACE 2: Wrath of the Ancients (ROCKFISH Games)
Bestes Serious Game:
- The Darkest Files (Paintbucket Games)
- Pictures VR (Modest Minds)
- Umfeld (Hochschule RheinMain)
Beste Innovation und Technologie:
- Anno 117: Pax Romana (Ubisoft/Ubisoft Mainz)
- Firefighting Simulator: Ignite (astragon Entertainment/ weltenbauer.software Entwicklung)
- How to God (Thoughtfish)
Bestes Grafikdesign:
- The Darkest Files (Paintbucket Games)
- Oddsparks: An Automation Adventure (HandyGames/Massive Miniteam)
- The Berlin Apartment (ByteRockers´ Games/Blue Backpack)
Studio des Jahres:
- ByteRockers´ Games
- Happy Broccoli Games
- weltenbauer.Software Entwicklung
Bestes Mobile Game:
- Duck Detective: The Ghost of Glamping (Happy Broccoli Games)
- MicroMacro: Downtown Detective (Soft Boiled Games)
- Ponchorado (seal Media)
Bestes internationales Spiel:
- Clair Obscure: Expedition 33 (Kepler Interactive/Sandfall Interactive)
- Kingdom Come: Deliverance II (PLAION/Warhorse Studios)
- Blue Prince (RAW FURY/Dogubomb)
Bestes deutsches Spiel:
- Anno 117: Pax Romana (Ubisoft/Ubisoft Mainz)
- The Darkest Files (Paintbucket Games)
- Tiny Bookshop (Skystone Games/neoludic games)

Obwohl es die großen Favoriten aufgrund der Häufigkeit der Nominierungen gab („The Darkest Files“ beispielsweise war ganze fünfmal nominiert!), war es am Ende eine sehr ausgeglichene Veranstaltung. Es konnten sich kleine Überraschungen genauso durchsetzen wie haushohe Namen. Die Mischung macht es am Ende aus für mich. Ich finde es tatsächlich auch nicht immer schlecht, wenn sich mal Namen wie „EVERSPACE“ oder „Super Meat Boy“ oder „Anno“ über solche Preise freuen dürfen. Denn natürlich sind es die kleinen Produktionen, die die meiste Aufmerksamkeit bedürfen. Aber die größeren Namen sind nunmal auch alleine aufgrund der mit ihnen verbundenen Kaufkraft ein unglaublich wichtiges Bindeglied zwischen der politischen und gesellschaftlichen Anerkennung der Games-Branche und den kleineren Studios, die sowohl die Unterstützung durch Förderung aber auch Konsum benötigen.
Persönlich gefreut hat mich die zweifache Doppelauszeichnung – wenngleich ich gerade Paintbucket Games tatsächlich aufgrund ihres unglaublich authentischen und gleichzeitig atmosphärisch bzw. moralisch wichtigen Projektes noch viele weitere Auszeichnungen gegönnt hätte. Dennoch zwei Auszeichnungen muss man auch erst einmal schaffen. Glückwunsch daher nochmal an die Verantwortlichen von „The Berlin Apartment“ und „The Darkest Files“. Eine wirklich herzige Überraschung hat sich die Jury dann am Ende noch für die Auszeichnung „Bestes internationales Spiel“ parat gehalten, als die Auszeichnung nicht wie an das dramatisch favorisierte „Clair Obscure: Expedition 33“ ging, sondern an die „Solo-Dev“-Entwicklung „Blue Prince“.

Lasst mich als letztes noch ein paar Worte zum Preisträgerteam des „Sonderpreis der Jury“ verlieren. Denn dahinter versteckt sich ein unglaublich interessantes Projekt. „RadiGaMe“ ist zwar mit bayerischer bzw. süddeutscher Lesart zunächst einmal ein etwas eigentümlicher Name, aber dahinter steht folgender Erklärung, die so auch auf der Website zu finden ist: „Das Verbundprojekt RadiGaMe (Radikalisierung auf Gaming-Plattformen und Messenger-Diensten) ist ein interdisziplinäres Forschungs- und Transfervorhaben, welches Radikalisierungsphänomene auf Kommunikationsplattformen mit Gamingbezug systematisch untersucht und darauf aufbauend Lösungsansätze für Strafverfolgung, Früherkennung sowie präventive Maßnahmen erarbeitet.“
Acht Institutionen (z.B. Ludwig-Maximilian Universität München, TU Berlin, LKA Berlin) haben sich zu diesem Forschungsverbund zusammengeschlossen und werden ihre aktuelle Forschungsphase in den nächsten Tagen abschließen. Ich sehe ein solches Forschungsprojekt als unglaublich wichtigen Seitenaspekt unseres Hobbies an und habe größten Respekt vor dem Forschungsaufwand, der hinter diesem Projekt stecken muss.
Links zur Verleihung
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