Das Studio Arkane unter der Flagge von Bethesda/Zenimax ist in letzter Zeit eher in keinen ruhigen Gewässern unterwegs gewesen. Daher nehmen wir uns mal einen Titel vor, der eben vor der unruhigen Phase erschienen ist und zwar unmittelbar davor. Dabei liefert „Deathloop“ auch noch einige Besonderheiten für das Studio, war es doch bereits ein Titel nach der Xbox-Fusion, das zunächst konsolenexklusiv für Playstation erscheinen sollte. Doch abgesehen davon: Was kann ein Spiel liefern, der als Ego-Shooter auftritt, sich inhaltlich aber mit einer eher verworrenen Geschichte beschäftigt, die nur eine Zeitschleife auslösen kann? Wie gut harmonisiert schnelle Shooter-Action und vergleichsweise kleinteiliges Storypuzzle, das zusammengesetzt werden will?

Kommt rein in den Loop!

Konsole: Playstation 5

Autor: Alex

Inhaltsverzeichnis

Gameplay: Baller dich durch den Loop!

Das Thema der Zeitschleifen (oder englisch „Time Loops“) ist jetzt in der Kunsterzählung keine wirklich große Neuheit mehr. Im Filmbereich gelten Werke wie „Und morgen grüßt das Murmeltier“ oder „Edge of Tomorrow“ als Referenzwerke. Und auch in Videospielen ist das Thema durchaus ein präsentes. Dutzende Titel beschäftigen sich mal mehr und mal weniger direkt mit der Thematik. Bekanntere Titel hier dürften wohl „The Legend of Zelda – Majorah´s Mask“, „12 Minutes“, oder „Returnal“ sein. Mit „Deathloop“ hat sich jetzt auch Bethesda mit seinem Studio für die besonderen Game-Welten und Gameplay-Ideen gemeldet, um ein paar Anteile an dieser Thematik für sich einzuheimsen. Und tatsächlich, dürfte bei Fans der Bethesda-Titel sofort der Name „Arkane“ in den Kopf kommen, wenn man sich ein Spiel über Zeitschleifen wünschen würde. Das Studio, das vor allem für seine „Dishonored“-Reihe bekannt ist, versteht es Welten zu erschaffen, in denen nicht immer alles erstens mit rechten Dingen zugeht und zweitens auch nicht immer alles in geregelten Bahnen verlaufen muss. Mit „Deathloop“ sollte die Erfolgsgeschichte des Studios auch nach der Xbox-Übernahme fortgeschrieben und in das Multiplayer-Erlebnis „Redfall“ überführt werden.

Es ist daher auch nicht sonderlich überraschend, dass der Multiplayer-Aspekt auch in „Deathloop“ eine einigermaßen gewichtige Rolle spielt. Denn ihr könnt zunächst entscheiden, mit welcher Figur ihr in das Spiel starten wollt. Wählt ihr am Hauptbildschirm den männlichen Charakter Colt, so startet ihr in den Storyteil des Spiels, erkundet vier Biome und versucht herauszufinden, warum dieser Loop existiert und wie man ihn wieder los wird. Als Colt könnt ihr euch entscheiden, ob ihr eine reine Einzelspielererfahrung haben wollt, oder ob Freunde oder Fremde online in eure Spielwelt eintauchen dürfen, um Jagd auf euch zu machen.

Entscheidet ihr euch im Hauptmenü hingegen für den weiblichen Charakter Julianna, dann stürzt ihr euch in die Online-Welt von „Deathloop“. Als Julianna erlebt ihr nicht die Handlung, könnt nicht die Geheimnisse und Optik der Biome entdecken und genießen. Nein euer Auftrag hier ist es anderen die Hölle heiß zu machen. Ihr könnt entweder Spiele eurer Freunde oder von Fremden betreten und müsst dann versuchen sie auszuschalten. Die Welt von Julianna ist eine weitaus schnelllebigere als die von Colt. Einsätze von Julianna beschränken sich in der Regel auf wenige Minuten und verfolgen lediglich das Ziel Colt zu eliminieren. Je länger ihr überlebt und je näher ihr an der Ausschaltung eures Rivalen seid, desto mehr Meilensteine könnt ihr abschließen. Diese knapp 50 Meilensteine bringen euch in erster Linie Rangpunkte, mit denen ihr dann neue Waffen, Siegel und weitere Nützlichkeiten freischaltet, die euren Kampf gegen Colt unterstützen.

Warum ich das hier so ausführlich beschreibe? Weil ich mich für den Rest der Review auf den Story-Anteil, also das Spielen mit Colt, beschränken möchte.

Motivation: Reiz der Wiederholung

Es liegt denke ich auf der Hand, dass die von den Verantwortlichen verfolgte Hauptmotivation im Ausreizen des Loop-Systems liegen würde und das ist auch so. Aber auch nicht ausschließlich und das ist für mich eine der interessantesten Entdeckungen während meiner Zeit in und mit „Deathloop“ gewesen. Das Spiel will nämlich einen Loop nicht nur immer wieder wiederholen, sondern es will auch, dass wir mit diesem Loop ganz gezielt arbeiten. Die vier zu entdeckenden Biome liefern an unterschiedlichen Tageszeiten, unterschiedliche Informationen, Abläufe und Events. Je länger ihr euch im Spiel befindet und desto weiter ihr schon in der Handlung fortgeschritten seid, umso mehr werdet ihr erkennen, dass es ein goldenes Muster gibt, um den Loop zu brechen. Um dieses Muster zu entschlüsseln, darf man nicht nur einfach so drauf losstürmen, sondern man muss den Loop verstehen und vor allem die Welt erkunden.

Dieser fast schon rollenspielartige Aspekt an „Deathloop“ hat mich ehrlich gesagt sehr überrascht. Und in Kombination mit der sich immer zurücksetzenden Zeitleiste, funktioniert das auch noch richtig gut. Ich habe mich oft dabei erwischt, wie ich ganze Ingame-Tage im immer gleichen Biom verbracht habe, einfach um es zu verstehen und zu entschlüsseln. Mal mit Fokus auf Entdeckung, dann auf Eliminierung von Gegnern und schlussendlich mit dem von Colt adaptierten Gedanken: Wie kann ich den Loop brechen?

„Deathloop“ lädt uns nicht nur ein den Loop zu brechen, sondern ihn zu verstehen, zu verinnerlichen und streng genommen auch damit Spaß zu haben.

Steuerung: Wenig Waffen, viele Optionen

Um das Brechen des Loops zu erreichen, muss Colt es irgendwie schaffen eine bestimmte Auswahl an Personen auszuschalten. In aller Regel macht er das mithilfe von Waffengewalt. Doch es gibt auch die ein oder andere alternative Variante, wie man seine Widersacher loswerden kann. Dafür ist es jedoch in den meisten Fällen erforderlich die Biome und Hinweise bis ins letzte Detail zu analysieren… Aber ich schweife ja ab. Das Brechen des Loops verfolgt Colt in Ego-Perspektive und nimmt uns somit direkt mit in seine Eindrücke.

Haben wir uns einmal in das Spiel gefunden, landen wir irgendwann im Loop-Menü. Das ist der Bereich, der fortan immer erscheint, wenn ihr entweder einen Loop abgeschlossen habt, oder ein Biom erfolgreich/erfolglos besucht und bestenfalls auch wieder verlassen habt. Das Loop-Menü ist leider für Konsoleros relativ fummelig geraten und man wird das Gefühl nicht los, dass Konsole nicht die „Plan-A-Plattform“ gewesen ist. Mit dem linken Stick steuert ihr einen Cursor durch die Menüs und versucht im richtigen Timing zu bremsen, ehe man über das gewünschte Item hinwegschießt. Innerhalb des Menüs könnt ihr euer Waffenarsenal verwalten und eine bis drei Waffen anlegen. Dazu könnt ihr noch sogenannte Tafeln einsetzen, die erhaltet ihr meist durch das Töten von Julianna, wenn sie in euren Loop einbricht, oder durch das Eliminieren von Zielpersonen. Zum Ende des ersten Drittels des Spiels könnt ihr durch eine Art „Währung“, die auf den Namen Residuum hört, Items auch über die Loops hinaus an euch binden. Jedes Item hat dabei einen anderen Preis, abhängig von der Seltenheit. Seltenheit gruppiert sich in die klassischen Kategorien von grau für „gewöhnlich“ bis orange-gold für „legendär“.

Wenn wir uns über die Waffen unterhalten, dann über eine eher kleine Auswahl. In vier Schusswaffenkategorien erwarten euch dreizehn Waffen – dabei sind aber einzigartige Waffen, die als Belohnung für das Abarbeiten einer Art „Questreihe“ wartet, eingerechnet. Der Reiz der Waffen liegt also weniger in ihrer breiten Auswahl, sondern in ihren Effekten und Siegeln. Effekte sind waffenexklusiv und können nicht sonderlich beeinflusst werden. Siegel dafür aber umso mehr. Gefunden werden können diese entweder in den Biomen oder durch das Eliminieren von Gegnern. Von Zielpersonen und Julianna könnt ihr – wie bei den Waffen und Tafeln – auch seltenere Siegel ergattern. Siegel gibt es in zwei Kategorien: Waffensiegel und Persönliche Siegel. Waffensiegel sorgen dafür, dass sie den ausgerüsteten Waffen besondere „Gimmicks“ verleihen, wie beispielsweise ein größeres Magazin, oder einen besseren Zoom beim Zielen übers Visier. Persönliche Siegel hingegen konzentrieren sich auf Colt und verleihen ihm teils übermenschliche Fähigkeiten. Vom Doppelsprung über lautloses Schleichen bis hin zur drastisch erhöhten Lebensanzeige ist hier ein breites Feld an Optionen vorhanden. Siegel können dabei aber natürlich nicht unbegrenzt angebracht werden. So können immer nur vier persönliche Siegel an Colt befestigt werden. Bei Waffensiegeln hat man „etwas“ mehr Freiheit: Denn jede Waffe kann mit drei Siegeln bestückt werden. Bei drei ausgerüsteten Waffen könnt ihr also immer neun ausgerüstete Siegel einsetzen. Achtet bei den Waffensiegeln vielleicht auch auf den Waffentyp, dem ihr sie zuordnet. Eine Erhöhung des Zooms bringt bei einer Handfeuerwaffe vielleicht nicht so viel wie bei einem Gewehr.

Abgesehen von den Waffen und Items könnt ihr euch im Loop-Menü aber auch noch um die von euch gefundenen Hinweise und Dokumente kümmern. In den großen Loop-Übersichten „Visionär-Hinweise“ und „Arsenal-Hinweise“ könnt ihr Hinweisketten verfolgen, die Spuren und Aufenthalte von Zielpersonen oder wichtigen Items wie einzigartigen Waffen oder Tafeln enthüllen können. Es gibt auch noch einen allgemeinen Entdeckung-Bereich, der sich dann aber mehr auf die Biome konzentriert und sortiert nach Tageszeiten (Morgens, Mittags, Nachmittags, Abends) sortiert was ihr über das jeweilige Biom schon herausgefunden habt – sehr nützliche Infos warten hier eher weniger, aber kleine Reminder und auch die ein oder andere Nebenquest können darin gefunden werden. Und im Bereich der „Dokumente“ findet ihr dann alles, was ihr aufgesammelt habt: Notizzettel, Audiobotschaften, usw. Die darin enthaltenen Hinweise übertragen sich automatisch in die jeweiligen vorgenannten Bereiche.

Bevor ihr in den nächsten Tageszeitabschnitt springt, könnt ihr euch zudem übrigens noch Gedanken machen, ob ihr während der aktuellen Tageszeit im jeweiligen der vier Zielbiome überhaupt etwas Nützliches anstellen könnt. Lautet eure Antwort nach der Bedenkzeit „Nein“, dann könnt ihr die Tageszeit auch jederzeit überspringen. Im Loop selbst verwandelt sich „Deathloop“ zu einem klassischen Ego-Shooter, dessen Steuerungsmerkmale und -Spezifika ich euch ja nicht mehr erklären muss.

Inhalt: Brich den Loop, oder er bricht dich!

Eigentlich ist es ein recht idyllischer Morgen an einem Strand irgendwo in Blackreef. Doch Colt sieht das anders. Er wacht mit einem enormen Kater auf, weiß absolut nichts mehr vom letzten Tag und torkelt etwas verloren den Strand entlang in Richtung einer leichtern Erhöhung. Dort findet er eine Tür und landet in einem Tunnelsystem. In diesem angekommen hört er die Stimme einer Frau. Sie kommt von einem seltsamen Apparat, der irgendwann mal als Walkie-Talkie funktioniert hat. Die Stimme der Frau kommt Colt bekannt vor und tatsächlich scheint sie genau zu wissen, wer er ist. Die Dinge, die sie ihm an den Kopf wirft, sind weder positiv noch hilfreich. Was könnte Colt denn verbrochen haben, damit ihn diese Frau so derartig hasst? Colt torkelt weiter und weiter. Irgendwann findet er eine Art Artefakt…

Es ist ein Tag vergangen und wieder wacht Colt an der gleichen Stelle am Strand auf als gestern. Gestern? Nein! Es ist wieder Heute! Colt beginnt an sich und seinen Geist zu zweifeln. Kann es sein, dass er tatsächlich in einer Zeitschleife gefangen ist? Colt beginnt Nachforschungen anzustellen. Wer ist die Frau am anderen Ende des Walkie-Talkies? Wieso befindet er sich in einer Zeitschleife? Nach einigen weiteren Schleifen ist sich Colt über eine Sache sicher: Er hat etwas mit dieser Zeitschleife zu tun und die Frau ebenfalls. Und es gibt mit ihr noch sieben weitere Personen, die direkten Einfluss auf diese Zeitschleife haben. Was würde also passieren, wenn es Colt gelänge alle acht dieser Personen auszuschalten? Könnte das eventuell den Loop brechen?

„Deathloop“ entführt uns in eine überraschend umfangreiche und auch tiefgehende Handlung. Es werden Themen wie Kultismus, Extremismus und ja auch ein wenig Faschismus angesprochen. Man blickt aber auch auf eine Welt, die gebrochen ist und man nicht so ganz sicher ist, ob sie denn überhaupt aus dieser Zeitschleife ausbrechen möchte. Die persönliche Verwicklung von Colt in die Zeitschleife ist aus meiner Sicht der Königskniff der Verantwortlichen gewesen. Denn hätte man sich nur um das Ausschalten der Acht gekümmert, wäre das alles etwas herzloser abgelaufen. Und das obwohl die Acht wirklich gut gezeichnete und mit detaillierter Geschichte ausgestattete Persönlichkeiten sind. Mal etwas zu nahe an gewissen Stereotypen dran, mal hervorragend unterhaltsam. Durch die persönliche Verwicklung wabert eine gewisse Unklarheit aber immer über dem Geschehen und selbst Colt muss bis zum letzten Moment warten, ehe sich das letzte Puzzleteil für ihn ins Bild platziert. Durch diese Anspannung verfolgen wir die Handlung, suchen Hinweis um Hinweis und zittern uns von ausgeschalteter Zielperson (oder auch „Visionär“) zur nächsten. Was erwartet uns am Ende des Loop?

Präsentation: Ist das noch „Deathloop“ oder schon „Dishonored“?

Ich habe die Überschrift tatsächlich sehr bewusst gewählt. Denn die beiden Spiele stammen schließlich nicht nur aus dem selben Studio, sondern haben auch – mittlerweile offiziell bestätigt – Gemeinsamkeiten. So ist die Insel Blackreef, die mit ihren vier Biomen „Updaam“, „Fristad Rock“, „Komplex“ und „Karlsbucht“ grundsätzlich an eine alternative bzw. alter-futuristische Version der 1960er Jahre erinnert, im gleichen Universum bzw. in der gleichen Welt wie der zweite Hauptreihenableger von „Dishonored“. Diese „alter-futuristischen“ 1960er Jahre schimmern übrigens ins so gut wie allen Aspekten des Spiels durch. Sei es jetzt das Kostümdesign der Charaktere (Ausnahme Colt und Julianna), die Setdesigns aber auch die musikalische Inszenierung des Spiels. Alles hat diesen Vibe, als hätten die Dinge schon ein paar Jahre auf dem Buckel und trotzdem wirkt alles irgendwie neu und modern.

Die vier verschiedenen Biome und Bereiche wachsen einem erstaunlich schnell ans Herz, bzw. lasst es mich anders ausdrücken: Ihr werdet schnell lernen, welche ihr liebt und welche ihr hasst – glaubt mir, das geht verdammt schnell. Mein Favorit (Tageszeitunabhängig übrigens) ist „Updaam“, einfach weil ich den Bereich als abwechslungsreich und extrem vollgepackt in Erinnerung habe. Da kann man getrost ein paar Stunden verbringen – sofern man nicht zuvor aus dem Loop geschossen wird. Die Veränderungen zwischen den unterschiedlichen Tageszeiten variieren auch je nach Bereich. Der eine verändert sich kaum, nur die gegnerischen Charaktere verändern ihre Positionen. Andere Bereiche wiederum werden gefühlt komplett auf links gedreht.

Hinsichtlich der grafischen Gestaltung wirkt „Deathloop“ herrlich zeitlos. Sicherlich auf eine gewisse Art mit moderner Optik und Inszenierung, aber es hat auch etwas sehr Unaufgeregtes in den teils aufgedrehten Bereichen und mit den exzentrischen Kostümen. Ich mochte es sehr gerne durch die Welten zu spazieren und nicht immer etwas Neues entdecken zu müssen, sondern einfach meinen verschiedenen Hinweisen nachgehen, das nächste Rätsel angehen oder einfach nur versuchen zu überleben, falls Julianna mal wieder beschlossen hat meinen Loop zu entern.

Wenn wir uns die ersten Minuten des Spiels anhören, dann sticht gerade bei der Playstation ein Fakt sofort ins Ohr: Die Unterhaltungen mit Julianne über das modifizierte Walkie-Talkie erfolgten akustisch über die Lautsprecher des Dual-Sense-Controllers. Das mag ein kleiner und unscheinbarer Kniff sein, ist in Wirklichkeit aber ein herrlicher Immersions-Bonus, den ich persönlich nicht missen möchte. Was Spielende aller Plattformen abbekommen ist der sehr lockere Sprachstil in der deutschen Synchronisation. Die Sprüche und Bemerkungen fliegen einem hier ganz entspannt und flapsig um die Ohren. Gerade Colt und Julianna lieben es sich gegenseitig mit immer spitzeren Bemerkungen zu piesacken. Das ist eine herrlich lockere Art, die nicht nur hervorragend zu den beiden Charakteren passt, sondern sich auch mit dem Rest der Inszenierung harmonisieren.

Wer sich während des Spiels auch mal auf die Musik konzentriert, wird schnell hören, dass da einiges an Inhalt, Vielfalt und vor allem auch Qualität drin ist. Die Musiken passen sich nämlich nicht nur den einzelnen Großbereichen an, sondern variieren teilweise auch innerhalb dieser. Die Kompositionen gleichen dabei auch einem alternativen Sound der 1960er Jahre, sprich auch sie hören sich auf eine gewisse Art und Weise sehr vertraut und doch komplett neu an. Das können dabei mal rockige Gitarrenriffs sein, aber auch mal überraschend moderne Elektro-Klänge. Es ist eine für mich sehr gelungene Symbiose der Kompositionen und das kommt auch nicht von ungefähr. Denn mit Tom Salta haben sich die Verantwortlichen einen der erfahreneren westlichen Komponisten für Videospielmusik gesucht. So war Tom Salta u.a. an „Need for Speed Underground 2“, „Prince of Persia Sand of Times” oder zuletzt auch an “PUBG: Battleground“ als Komponist beteiligt.

Fazit: Der Loop ins Verderben?

Auch wenn zwischen „Deathloop“ und „Redfall“ per Release knapp zwei Jahre liegen und letzteres auch nicht von Arkane Lyon, sondern dem Studio in Austin federführend programmiert wurde… So ganz ohne Kratzer an dem Namen „Arkane“ ist der Gigaflop nicht vorbei gegangen. Auch in „Deathloop“ haben die französischen „Arkane“-Leute schon mit Online-Aspekten gespielt, hier aber komplett freiwillig und jederzeit per simplen Tastendruck eingrenz- oder komplett abstellbar. Somit kann man auf das Genre Multiplayer unten in der Aufzählung bei den Infos noch verzichten. Und wenn ich mir „Deathloop“ so anschaue kann ich nicht verstehen, wie vom gleichen Studio zwei so ungleiche Spiele auf den Markt gebracht werden können.

Doch ich versuche es mal und der Versuch ist dabei ein sehr wagemutiger. Denn ich habe bisher keinen der „Dishonored“-Titel gespielt. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass die sehr starke bis unmittelbare Nähe zum Kultspiel des Studios eine extreme Hilfe war. Nicht nur konnte man auf technische und stilistische Hilfsmittel zurückgreifen, man hatte ein ganzes Team voller Erfahrung. Dass man sich für die Story und Handlung dann von einem wilden Mix aus Filmen hat inspirieren lassen, ist kein Verbrechen, sondern für Fans eher ein kleiner Bonus. Beispielsweise dieser so enge und doch niemals sexualisierte (im Gegenteil) Umgang zwischen Colt und Julianna. Letztere als selbstbewusste weibliche Charakterin wirkt wie aus einem Film von Quentin Tarantino geschnitten.

Inhaltlich hat “Deathloop” ein bisschen gebraucht, bis es mich in seinen Bann gezogen hat. Ich musste mich zunächst wie auch Colt in dieser Zeitschleife orientieren und erkennen, wohin die Reise gehen soll. Wenn man das mal verinnerlicht hat und es diesen „Klick“ gegeben hat, dann funktioniert der Titel richtig gut. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass der erwähnte „Klick“ eben nicht bei allen kommt und dann wird man im Spiel schnell auf der Stelle treten und wohl auch den Spaß und die Motivation zum Weiterspielen verlieren.

Als Fan von inszenatorisch starken Spielen und Spielen mit mehr oder weniger offenkundigen Inspirationen aus dem Filmsegment hat mich „Deathloop“ nicht eiskalt erwischt, aber zumindest abgeholt und ich bin froh endlich meine erste Erfahrung mit einem „Arkane-Game“ gemacht haben zu können.

Keep on Gaming!

Wertung

Pro und Contra

ProContra
Optische und akustische InszenierungSpielspaß setzt sich nicht immer sofort ein
Inspiration aus FilmenHauptziel wirkt zu Beginn unerreichbar und kompliziert
Walkie-Talkie-Unterhaltung aus Dual-Sense-Lautsprecher 
Multiplayer-Inhalte komplett freiwillig, ohne Auswirkung auf das Spielerlebnis 

Score

KategoriePunkteBegründung
Motivation5 (8)Bei der Motivation war ich mir uneinig. Ich wollte zum einen diesen „Klick“ aus dem Fazit hier einfließen lassen. Denn wenn der nicht kommt, dann wird das eine ganz schwierige Angelegenheit. Man muss diesen Moment schlicht haben, in dem man das Spiel, sein Vorhaben und vor allem seine Herangehensweise nicht nur erkennt sondern auch verinnerlicht. Daher habe ich mich auch noch für diese Wertung in Klammern entschieden. Diese entspricht dann meiner ganz persönlichen subjektiven Einschätzung.
Steuerung7Für mich ist die Steuerung, bis auf die etwas fummelige Steuerung im „Loop-Menu“, ein schnörkelloses, unaufgeregtes und alles in allem grundsolides Unterfangen. Ein Ego-Shooter ist nunmal ein Ego-Shooter, da kann man selten wirklich Sensationelles erschaffen. Und trotz der Fummeligkeit ist das Menü zumindest übersichtlich genug.
Inhalt8Die Zeitschleifen-Thematik muss man mögen, keine Frage. Ehrlicherweise nicht nur mit seinen dramaturgischen Aspekten, sondern auch den spielerischen. Denn das ständige Wiederholen und Erkunden der gleichen Stätten trifft nicht den Geschmack von allen. Durch die sehr immersiv gestaltete und dramaturgisch beinahe perfekt inszenierte Story, gelingt es aber vor allem durch die Handlung ans Spiel zu binden. Und hat man die Story einmal durch, kann man sich als Julianna einen Spaß daraus machen die Sitzungen von anderen Spielenden auf den Kopf zu stellen.
Präsentation8Der alternativ-futuristische Look der 1960er Jahre auf Blackreef gefällt mir unglaublich gut. Kombiniert mit der großartigen Musik von Tom Salta gelingt hier ein herrliches Gesamtbild, das mit seinen filmischen Inspirationen wunderbar harmonisiert. Der lockere Umgang zwischen den Charakteren liefert hier eine angenehme Frische und macht „Deathloop“ angenehm spielbar. Dass die Unterhaltungen zwischen Colt und Julianna auf der Playstation 5 zudem über den Lautsprecher des Dual-Sense-Controllers blechern trommeln ist ein herrlicher Immersionsbonus.
Gesamt70% (78%)Klassisches Ego-Shooter Gameplay trifft auf Zeitschleifen-Handlung. Das ist eine Kombination, die man jetzt nicht jeden Tag hat und doch ist es mit Blick auf das Studio Arkane (Lyon) das ideale Zusammenspiel von internen Stärken. Der Titel tritt bei mir keine Begeisterungsstürme los, aber er schafft genau das, was ich mir von einem Titel vorstelle: Er nimmt mich mit in seine Welt, lässt mich die Zeit in ihr vergessen und unterhält mich mit einer rundum gelungenen Harmonie zwischen Dramaturgie und Inszenierung.

Infos

PublisherBethesda Softworks
Entwickler Arkane Lyon
PlattformPlaystation 5
Xbox Series
PC (Windows)
GenresFirst-Person-Shooter, Time Loop
ReleasePlaystation + PC: 14. September 2021
Xbox Series: 20. September 2022
Websitehttps://bethesda.net/de/game/deathloop
Preis (Stand: Dezember 2025)Playstation 5: ca. 29 Euro
Xbox Series: ca. 44 Euro
(UVP bei beiden: 29,99 Euro)
AltersfreigabeUSK 18 Jahre
SpielzeitCa. 27 Stunden (alle Enden)

Trailer zu Deathloop