Mit der Nintendo Switch 2 ist (wie sollte es eigentlich auch anders sein) ein neues „Mario Kart“ erschienen. Nun ist die Geschichte von „Mario Kart World“ aber keine klassische „Next-Gen“-Geschichte und tatsächlich ist aus unserer Sicht der Start dieses neuen Racing-Abenteuers für Mario & Co. ein durchaus holpriger gewesen. Kommt mal mit uns auf die Rennstrecken dieser Welt und entdeckt mit uns Neuheiten, aber auch Baustellen auf der Strecke!

Konsole: Nintendo Switch 2

Autor: Alex / Ko-Fazit: Phil-kun

Inhaltsverzeichnis

Gameplay: Klasse mit (Vor-)Geschichte

Wenn man auf den Titel „Mario Kart World“ blickt, dann auch auf einen Titel, der eine lange Vorgeschichte hinter sich hat. Das ist in der modernen Videospielproduktion grundsätzlich auch gar nicht mal so besonders. Acht Jahre wie hier bei „Mario Kart World“ gehören für Titel in der Produktionsgröße mittlerweile zur Normalität, dass sie mehr oder weniger außerhalb der Öffentlichkeit entstehen dürfen, eher nicht mehr. Trotzdem wurde erst jetzt nach dem Release des Titels bekannt, dass dieser ursprünglich noch für die Vorgängerkonsole konzipiert wurde. Ja richtig: „Mario Kart 8“ hätte eigentlich einen direkten Nachfolger auf gleicher Plattform erhalten sollen. Diese Idee hat man dann allerdings 2020 verworfen; wodurch der Vorgänger wohl zu dieser gigantischen Erweiterungspasswelle gekommen sein dürfte und „World“ wurde fortan für die neue Konsole produziert.

Mit dieser Hintergrundinfo im Kopf erklärt sich vielleicht auch schon die ein oder andere frappierende Ähnlichkeit zum Vorgänger. Das heißt aber jetzt auch für den Titel: Liefert er wirklich genügend Alleinstellungsmerkmale, die diese Verschiebung gerechtfertigt haben UND war es die richtige Entscheidung von Nintendo „Mario Kart 8“ mit den Erweiterungen so allzeit-präsent sowie in Sachen Abwechslung und (Wieder-)Spielmotivation in derartige Höhen zu pushen?

Motivation: Offene Welt, die fast nicht bemerkt wird

Alleine mit dem Titel „World“ wollten die Verantwortlichen von „Mario Kart“ verdeutlichen, dass man mit dem Titel einen „Neuanfang“ schaffen wollte. Anhand der Anführungszeichen bei Neuanfang könnt ihr vielleicht schon erraten, dass ihnen das aus meiner Sicht nur bedingt gelungen ist. Die sicherlich größte Neuerung in diesem Titel ist die theoretisch offen befahrbare Welt. Doch dieses Element der freien Fahrt und des Erkundens der Welt ist ehrlich gesagt auf ein Minimum zusammengestaucht. Es ist ein Modus, den man (beinahe dreist) versteckt erst finden muss. Über das Hauptmenü kann man nur über die „Plus“-Taste in die offene Welt gelangen. Während ihr auf den Aufbau eines Online-Rennens wartet, landet ihr ebenfalls für die oftmals und glücklicherweise sehr kurzen Wartezeiten in dieser offenen Spielwelt.

Vor dem Release gab es kurz die Hoffnung, dass man auch zwischen den einzelnen Rennen zum nächsten Veranstaltungsort fahren können wird. Diese Hoffnung muss ich euch leider nehmen, denn dieses „Fahren zum nächsten Veranstaltungsort“ sind offizielle Rennen und so sterben die klassischen Rundkursrennen in „Mario Kart World“ nahezu aus bzw. werden auf eine sehr kleine Anzahl verringert, doch dazu noch ein bisschen mehr beim Inhalt des Spiels.

Nintendo verspielt aus meiner Sicht das große neue Feature der offenen Spielwelt kolossal und beweist daher ehrlich gesagt auch nicht zum ersten Mal, dass sie mit dem Konzept so ihre Probleme haben. Einzig die Verantwortlichen von „The Legend of Zelda“ konnten bisher mit dem Konzept einigermaßen etwas anfangen. Eine offene Spielwelt ist ein Spielplatz, eine Kreativzone und vor allem ein Hub, um von dort aus in Abenteuer zu starten, egal ob spontan mit anderen Spielenden ausgelöst oder schlicht durch platzierte Veranstaltungen. Ich werfe mal ein paar Sachen in den Raum die man zum Zeitpunkt der Review (Juli 2025) noch nicht in der offenen/freien Fahrt unternehmen kann:

  • Spontan vom Spiel erstellte Online-Rennen gegen andere Online-Spielende
  • Eine brauchbare Ansicht, mit der man Collectibles und ähnliches gut filtern und anzeigen kann
  • Auf der offenen Welt Rennveranstaltungen starten (Cups, KO-Rennen) oder
  • Zentrale Orte einrichten, aus denen man dann ins Zeitfahren- oder Schlacht-Menü wechselt.
  • Das Aufrufen der Karte ist während der freien Fahrt nicht möglich und muss über das Hauptmenü angesteuert werden, wozu man die freie Fahrt verlassen muss
  • Auf der Karte kann man dementsprechend auch keine Zielpunkte festlegen, sondern lediglich auswählen, wo man starten möchte (Bonuspunkt hier aber: möchte man einen Charakter zum Vervollständigen seiner/ihrer Kostüme auswählen, geht das schon jetzt problemlos über die Karte)

Bleibt jetzt die abschließende Frage in Sachen Spielmotivation: Was bringt einem ein so großes neues Feature, wenn man selbiges dann am Ende nicht nutzt bzw. irgendwo in der Ecke verschimmeln lässt? Richtig: Leider nichts. Für mich legen sich die Verantwortlichen hier selbst ein Ei und verpassen es damit empfindlich der „Mario Kart“-Reihe den Innovationssprung zu verleihen, den sie zwar ehrlicherweise gar nicht bräuchte, aber dennoch mehr als verdient hätte.

Steuerung: Tony Hawk trifft Mario Kart

Auch in der Steuerung von „Mario Kart World“ möchte ich vordergründig auf die Neuheiten des Spiels eingehen, denn streng genommen kennen alle mit „Mario Kart“-Vorerfahrung die grundsätzliche Steuerung. Was man allerdings noch nicht kennt, das sind Railgrinds, Sprung-Boosts und Rückspuloption. Diese drei für mich zentralen neuen Features in der Steuerung eurer Karts machen den Titel bei entsprechendem Einsatz zu einem völlig neuen Spiel und liefern damit vielleicht auch den Innovationsgedanken, den man bei der offenen Welt hat vermissen lassen.

Kurz zur Erklärung der drei Neuheiten:

Railgrinds: Ein Begriff, den man aus dem Skate- oder Wintersport durchaus kennt, ist jetzt auch Teil von „Mario Kart“. Auf den verschiedensten Strecken gibt es Optionen, in denen ihr auf Geländern, Schienen oder vergleichbaren „Alternativstrecken“ fahren könnt. Durch das Befahren dort nehmt ihr teilweise nicht nur andere Routen wie über die befestigte Strecke, ihr sammelt auch einen ähnlichen Boost wie beim Driften. Diesen könnt ihr bei entsprechender Länge auf dem Grind einsetzen, oder beim Absprung von diesem. Liegen zwei Grind-Optionen nahe genug beieinander, könnt ihr zwischen denen auch hin- und herspringen; nutzt dafür einfach die Sprungtaste (ZR). Zu den Railgrinds kommen auch noch „Wallruns“. Die funktionieren im Ähnlichen Prinzip, nur ohne sich aufbauenden Kurzboost.

Sprung-Boosts: Das Driften in den Titeln von „Mario Kart“ gehört längst zum guten Ton. Doch wenn ihr jetzt in „World“ mit „ZR“ den Sprung auslöst und die Taste dann OHNE Lenkbewegung gedrückt haltet, dann sammelt ihr ebenfalls Energie für einen Boost. Dieser löst sich dann verbunden mit einem (je nach Booststufe) höheren als den Standard-Sprung aus. Besonders nützlich, um kleine „Nebenstreckenareale“ zu überspringen oder natürlich auch um auf höher gelegene Ebenen (wie z.B. Grind-Strecken) zu gelangen. Aber Achtung: Beim Aufbau dieses Boosts ist eure Lenkfähigkeit deutlich eingeschränkt, weshalb sich dieser Boost entweder auf Geraden oder für gezielte Aktionen anbietet.

Zurückspulen: Das ist tatsächlich genau die Option, wie sie heißt. Aus anderen Racing-Titeln ist diese Option für Genrefans schon längst gang und gäbe. Bei „Mario Kart“ hat es halt ein bisschen gedauert. Durch das Drücken der „Unten“-Analogtaste startet ihr den Rückspulprozess und könnt euch so aus misslichen Lagen (sogar einem blauen Panzer) manövrieren. ABER: Das Rennen läuft dennoch in Normalgeschwindigkeit weiter. Das heißt ihr spult ausschließlich euch zurück, aber NICHT das gesamte Rennen. Habt das bei eurem Zeit- und Streckenmanagement also unbedingt im Blick; Kurz vor Rennende könnte ein Zurückspulen somit wichtige Plätze bei der Ziellinie kosten!

Der Rest der Steuerung ist für Serienkenner wie gehabt. Die Beschleunigung erfolgt standardmäßig immer noch über den A-Knopf, Items über „ZL“ usw. Wer die neuen Features als wirklich spielveränderndes Element einsetzen möchte, muss tatsächlich investieren, auf den ersten Moment und in den ersten Stunden des Spiels werdet ihr sicherlich eher bei der konservativen Steuerung bleiben. Je länger ihr dabei seid, desto experimentierfreudiger werdet ihr aber auch werden. Kleiner Tipp: Zeitfahren oder freie Fahrt geben euch gute Möglichkeiten sich mit den neuen Optionen anzufreunden und diese vielleicht ja auch in euer Gameplay einzubinden. Gebt ihnen eine Chance, ich war vor dem Release echt skeptisch, mittlerweile schätze ich diese zusätzlichen Optionen aber sehr. Wenngleich ich sie nicht auf einem so grandiosen Level einsetze, wie die aktuellen Speedruns beweisen, dass es möglich ist.

Inhalt: Aus Alt mach (wenig) Neu!

Ich habe es ja bereits in der Spielmotivation beschrieben, dass das größte neue inhaltliche Update von „Mario Kart World“ nur spärlich genutzt wird – die offene Welt. Doch sie hat indirekt hohen Einfluss auf die Renngestaltung. Denn während der meisten Rennen ist es jetzt nicht mehr ganz so einfach „von der Strecke zu fallen“. Das bedeutet jetzt natürlich nicht gleich, dass Lakitu arbeitslos wird, aber mit der offenen Welt kam auch ein neuer Renntyp: Intermissions! Übersetzt könnte man das etwas arg einfach formuliert auch „Von A nach B-Rennen“ titulieren. Das klassische Rundkursrennen hat in „Mario Kart World“ einen extrem untergeordneten Stellenwert. Ihr findet es ehrlich gesagt nur noch beim Start einer Cup-Meisterschaft oder mit (mittlerweile) viel Glück in Online-Einzelrennen. Diese Intermission-Rennen finden sich in nahezu allen Veranstaltungstypen.

Apropos Veranstaltungstypen! Davon gibt es in „World“ überraschend wenig neues. Neben den allzeit beliebten und bekannten „Grand Prixs“ (aktuell acht verschiedene mit insgesamt 32 Strecken in den drei bekannten Schwierigkeitsklassen 50cc, 100cc, 150cc) gibt es natürlich auch das Zeitfahren. Hier könnt ihr die über 20 theoretisch vorhandenen Rundkursstrecken ausgiebig genießen – leider habt ihr sonst nirgends die Gelegenheit. Wem nach etwas mehr Action und weniger klassischem Rennen zumute ist, kann sich in der „Schlacht“ entweder um Münzen oder das Zerplatzen von Luftballonen kümmern. ODER ihr erstellt einfach euer eigenes Wunsch-Event in „Versus“.

All diese Modi (abgesehen vom Zeitfahren) könnt ihr auch mit bis zu drei anderen Mitspielenden im Mehrspielermodus auswählen, diesen müsst ihr aber zuvor gezielt ansteuern – ja ging wohl nicht einfacher. Der klassische Online-Modus kann entweder alleine oder zu zweit betreten werden und erlaubt euch entweder das Fahren von Einzelrennen, Schlachten oder der K.-o.-Tour. Ein klassisches Rankingsystem gibt es immer noch nicht, stattdessen verdient ihr wieder „Rangpunkte“, die absolut keinen Mehrwert zu haben scheinen und sich logischerweise auch nicht auf das Matchmaking auswirken. Ich sag euch: hohe Punktzahl und ein japanischer Gamer-Tag sind zum Fürchten – nach wie vor.

Wer jetzt im letzten Absatz übrigens „K.-o.-Tour“ gelesen hat und sich gefragt hat, was das denn für ein Modus in „Mario Kart“ sein soll, will ich jetzt auf die Sprünge helfen. Denn getreu dem Motto: Das „Beste“ kommt zum Schluss. Wandle ich das ein bisschen ab in „das Neue kommt zum Schluss“. Mit diesem Modus feiert die „Mario Kart“-Reihe einen neuen Rennmodus. Dieser ist für Genrekenner ein klassisches Eliminierungsrennen, das mit 24 Racern beginnt und im letzten Abschnitt zwischen den bis dahin besten vier Racern ausgespielt wird. K.o.-Touren werden wie Grand Prixs untergliedert in die bekannten drei Schwierigkeitsklassen. Von diesen gibt es aktuell ebenfalls acht Stück und unterscheiden sich dahingehend vom Grand Prix, dass wirklich durchgehend gefahren wird. Kein Punktemenü dazwischen, keine Mini-Ladesequenz. Einfach von Start bis Ziel fahren. Dieser Modus kommt daher dem „zum nächsten Rennen fahren“-Prinzip aus dem Vorlauf des Spielereleases am nächsten. Pro-Tipp: Ihr wollt diese mit „drei Sterne“ abschließen: Dann braucht ihr in jedem Etappenziel Platz 1!

Ins Rennen einsteigen könnt ihr mit über 40 Charakteren (teilweise müssen diese aber noch mit unter recht umständlich freigeschaltet werden) in 40 Karts (die anhand verdienter Münzen automatisch freigeschaltet werden) antreten. Warum ist das Freischalten der Charaktere kompliziert? Nun einige könnt ihr zwar als „Belohnung“ für das Abschließen von Grand Prixs freischalten. Andere wiederum müsst ihr als Item erhalten. Denn mit einem neuen Item ruft ihr Kamek auf den Plan, die dann die Umgebung verändert und eure Konkurrenz in Gegner aus dem „Super Mario“-Universum verwandelt oder diese auf sie hetzt. Anschließend werden diese Gegner eurem Fahrer-Raster zugewiesen. Für die allermeisten der klassischen Charaktere (über 20) gibt es zudem noch variierende Outfits. Je nach Charakter können das am Ende dann bis zu zehn Outfits sein. Ganz schön unübersichtlich für die Charakterauswahl fragt ihr euch? Ihr habt völlig recht! In der Standard-Sortierung findet ihr die alternativen Kostüme ganz am Ende der Auswahl. Über „X“ könnt ihr aber eine sogenannte „Charakter-Sortierung“ aktivieren. Diese macht das Ganze zumindest etwas übersichtlicher, leider sind die Kostüme aber in 3×4 Raster vertikal angeordnet, was mich persönlich nur bedingt glücklicher gemacht hat. Aber zumindest waren dann alle Alternativ- und Klassikoutfits auf einen Haufen. Kleine Ergänzung hierzu noch am Ende: Die Outfits könnt ihr während Rennveranstaltungen oder in der freien Fahrt freischalten! Wählt dazu einfach den Charakter eurer Wahl aus und sammelt auf der Strecke bei den „Drive-In“-Restaurants die gelb-leuchtende Brotzeit-Tüte ein, mit ihr erhaltet ihr ein Gericht als Boost-Item. Benutzt es und euer Charakter wird sein Outfit passend zum Essen/der Region ändern!

Und zum Schluss dieses Abschnitts noch das Geheimnis, wie ihr den Spiegelmodus freischaltet, das ist nämlich ein kleines Kunststück in „Mario Kart World“. Ihr braucht nämlich dazu mehrere erfüllte Bedingungen:

  • Der „Spezial-Cup“ muss als achter Grand Prix freigeschaltet sein, dazu müsst ihr alle sieben weiteren Grand Prix mindestens einmal durchgespielt haben – mindestens auf 150cc; Platzierung ist aber egal.
  • Ähnliches gilt für die K.-o.-Touren: Auch hier müssen alle auf 150cc abgeschlossen sein, ihr müsst dort also mindestens den vierten Platz erreichen!
  • Dann kommt die freie Fahrt ins Spiel. Diese beinhaltet drei verschiedene Arten von „Collectibles“: Peach-Münze, blauer P-Schalter, ?-Fläche! Von all diesen braucht ihr mindestens zehn in eurer Sammlung – viel Spaß beim Suchen ohne entsprechende Karte! 😉
  • Nach den ersten drei Schritten müsst ihr dann ggfs. den „Spezial-Cup“ fahren, wenn ihr ihn bereits einmal abgeschlossen habt, dann müsst ihr nochmal ran! Auch hier wieder: 150cc ist ein Muss, die Platzierung ist egal. Und dann: Wartet einfach ab und ihr solltet eine wirklich knuffige Zwischensequenz zu sehen bekommen und danach ist der Spiegelmodus euer!

Wir können abschließend festhalten: So kompliziert war es bisher noch nie diesen Modus freizuschalten!

Präsentation: Kann man den Olymp noch toppen?

Gerade nach der Streckenvarianz und der generellen Präsentation, die wir aus „Mario Kart 8 Deluxe“ gewohnt waren, ist die Überschrift für mich nicht nur eine provokante Frage in Richtung Nintendo gewesen, sondern auch in meine Richtung. Denn die optische und akustische Präsentation eines Nachfolgetitels einzuordnen, dessen Vorgänger bereits scheinbar alle möglichen Sterne vom Himmel gespielt hat, erscheint beinahe wie eine Herkules-Aufgabe. „Mario Kart World“ erreicht mit seiner optischen Präsentation keine neuen Höhen und ich bin mir sehr sicher, dass dies schlicht auch dem geschuldet ist, dass es diese nicht gibt. Ich erfreue mich an den kleinen Feinheiten, die die beiden Titel unterscheidet, wie beispielsweise die zahlreichen Alternativoutfits. Auch das bereits erwähnte „Kamek-Item“, das mit einer Vielzahl an Gegnern die Strecke sofort verändern kann. Und natürlich die Strecken an sich, die in ihrem Kern alle grundlegend neu sind – nur manche wecken Erinnerungen.

Dass man mit dem Release in Sachen Varianz und Diversität der Veranstaltungen nicht an den Vorgänger herankommen würde, war für mich nur logisch und soll daher weder hier noch sonst wo in dieser Review ein Teil der Diskussion sein. Optisch hat sich „Mario Kart World“ absolut nichts vorzuwerfen.

Und werfen wir mal ein Ohr in Richtung akustischer Gestaltung des Spiels, dann muss ich ganz ehrlich sagen: Der Olymp kann getoppt werden! Ich bin unglaublich großer Fan des über 200 Soundtracks umfassenden Werks von Atsuko Asashi, die ja bereits den Vorgängertitel komplett begleitet hat. Sie hat es mit ihren aktuellen Kompositionen nicht nur geschafft gänzlich neue Melodien zu integrieren (alleine das Titelbild-Stück ist großartig), nein ihr ist auch das Kunststück gelungen bekannte Songs und Themes aus den verschiedenen Kart- aber auch sonstigen Titeln aus dem Spieleuniversum von Nintendo zu nehmen und daraus neue Versionen zu kreieren.

Ihr merkt also: In Sachen Präsentation hat Nintendo zwischen seinen beiden aktuellen Kart-Ablegern absolut nichts verlernt – das ist nach wie vor mindestens „Top of the Tops“!

Phil-kun´s Fazit: Ein kunterbunter Haufen(spaß)?

Ähnlich bunt wie ein Haufen Klamotten und genauso unsortiert; So wirkt „Mario Kart World“ auf den ersten Blick auf mich. Spaßige Farben, schöne Motive und etwas passendes für jeden dabei; Aber macht es Spaß diesen Haufen zu organisieren?

Nun, „Mario Kart World“ hat sehr viele Features, vieles bekanntes, keine Frage, aber auch ein paar Neuerungen wie schon der erwähnte Freie Fahrt-Modus; Genau das Herzstück des Spiels, so zumindest die Präsentation des Spiels in den ersten Trailern. Doch in Wahrheit versteckt sich dahinter die größte verpasste Chance, die Nintendo jeher bei Mario Kart hatte. Ein echtes Open World-Mario Kart! Das wäre es doch mal, oder?

Und genau das dachten sich hier bei dem Debüt-Titel der Nintendo Switch 2 viele und dann merkte man, dass das Spiel eigentlich den Modus nur als eine einfache Sandbox sieht. Eine Kramskiste, in der man alle Strecken zusammengebastelt auf einer Karte sieht und befahren kann, inklusive detailreicher Welt drumherum. Und wofür? Um Collectibles zu sammeln, die man anfangs nicht einmal ordentlich finden oder tracken konnte. (daran hat sich auch leider nicht viel getan)

Der stolze Preis von 80€ ließ obendrein die Flammen der Diskussionen und des Shitstorms im Internet entfachen; Ist es das Spiel überhaupt wert?

„Mario Kart World“ liefert viele gute Inhalte, die sich jedoch etwas willkürlich wirr im Zusammenspiel zeigen. Warum man die Chance verpasst hatte, aus der Freien Fahrt eine echte Story zu machen, ist mir schleierhaft.

Nichtsdestotrotz liefert das Spiel eine ordentliche Portion Spielspaß, welchen auch Neulinge genießen können.

Alex´ Fazit: Neuanfang oder Einheitsbrei?

Als ich “Mario Kart World“ das erste Mal gestartet habe, hatte ich ehrlicherweise recht wenige Erwartungen. Denn für mich ist, das, was man aus „Mario Kart 8 Deluxe“ mit dem gigantischen „Booster-Paket“ gemacht hat, ein Vermächtnis für die Ewigkeit. Dass daran ein Spiel direkt zum Release auch nur ansatzweise herankommt, war und ist für mich ausgeschlossen. Entsprechend nüchtern habe ich dann die ersten kleineren Stolpersteine in „World“ wahrgenommen und habe mich auf die Cups, die K.-o.-Touren sowie das Freischalten des Spiegelmodus konzentriert. Dass ich danach nicht mehr wirklich die große Lust zum Weiterspielen verspürt habe, liegt für mich an zwei Gründen:

Zum einen schlicht und ergreifend: Das Spiel hat irgendwann keinen klassischen Content mehr und man müsste sich mit Online-Veranstaltungen oder dem Verbessern eigener Leistungen weiterhelfen. Das gleiche „Problem“ hatte ich freilich auch mit seinem Vorgänger, nur da hat es ein bisschen länger gedauert bis der Content erschöpft war. Doch das möchte ich diesem Titel hier absolut nicht zum Nachteil machen. Ich finde mit acht Grand-Prixs á vier “Strecken“ und acht K.-o.-Touren auf bis zu vier Schwierigkeitsstufen ist das für den Start schon ein wirklich gutes Line-Up.

Der andere Grund: “Mario Kart World“ weiß sein größtes Alleinstellungsmerkmal einfach viel zu wenig bzw. gar nicht einzusetzen: Die offene Spielwelt. Dass ich die Option habe in der Welt von „Mario Kart“ freibestimmt umherzufahren war bei der Ankündigung für mich der größte Selling-Point des ganzen Titels. Doch dann jetzt zu sehen wie stiefmütterlich genau dieses Feature aber behandelt wird und sich gerade mal mit seinem Dasein abfinden muss, stimmt mich traurig. So viel Potenzial wäre dagewesen. Ich habe im Bereich der Spielmotivation ja die Liste eingefügt, was ich an der freien Fahrt aktuell noch vermisse. Genau das hätte ich umgekehrt von Beginn an erwartet. Diese Option hätte den Wiederspielwert um ein VIELFACHES gesteigert bzw. hätte sogar dafür sorgen können, dass „Mario Kart“ das erste Mal einen Wiederspielwert abseits von Online und den bekannten Grand Prixs/sonstigen Veranstaltungen hätte.

Es ist unglaublich schade, wie leichtfertig man diese Chance vergeben hat. Dazu kann man natürlich als Purist oder Traditionalist noch die Diskussion in den Raum werfen, wie sinnvoll die neue Streckenart „Intermission“ ist, sprich jene Strecken in denen man nicht klassisch im Rundenmodus fährt, sondern von einem Start- zu einem Zielpunkt. Diese Strecken erscheinen oftmals wahlweise extrem breit und somit entzerrt oder auch sehr „schlauchig“ mit wenig Kurven oder sonstigen Fahr- und Gameplay-Elementen, die sie zu einer Art Herausforderung machen. Ich hätte mir vielleicht ein besseres Gleichgewicht zwischen klassischen Rundkursrennen und diesen „Intermission“-Events gewünscht. Aktuell gibt es ein deutliches bis massives Ungleichgewicht zum Nachteil der Rundkursrennen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich der Titel bzw. dessen Verantwortlichen hier das Leben in gewissen Bereichen selbst unnötig schwer gemacht haben. Doch man muss auch konsternieren, dass durch die schiere Übermacht, die „Mario Kart 8 Deluxe“ über seine fast 10-jährige Regentschaft aufgebaut hat, nur schwer gebrochen werden kann. Sollte das mit Erweiterungen, DLC & Co. auch bei „World“ gelingen, würde man damit aber wieder das gleiche Spiel mit einem weiteren Nachfolger beginnen – ein Teufelskreis. Wenn Nintendo wirklich den Neuanfang machen UND schaffen will, den sie alleine mit der Namensgebung „World“ statt „9“ angestoßen haben, dann muss ein größerer Fokus auf die offene Spielwelt gelegt werden.

Ich werfe mal einen fixen Gedanken abschließend ein: Baut Kontinente an, auf denen man dann Franchises außerhalb des „Super-Mario“-Kosmos antreffen kann. Nach dem Prinzip von „Super Smash Bros. Ultimate“, nur halt mit diesem Inselgedanken – vielleicht sogar in Richtung eines Service-Games entwickelt, dann darf man die Notwendigkeit eines Nachfolgers im klassischen Sinne auch erst einmal in die weite Zukunft schieben.

Keep on Gaming und viel Spaß beim Zocken!

Wertung

Pro und Contra

ProContra
Neue Optionen beim Fahren (Grind, Jump-Boost, …)Offene Spielwelt wird vom Spiel „ignoriert“
AlternativoutfitsÜberhand der „Intermission“-Rennen
Gutes Line-Up an Release-InhaltenOnline-Modus immer noch arg formelhaft
 Freischaltung Spiegelmodus unverhältnismäßig umständlich

Score

KategoriePunkteBegründung
Motivation6Wertet man für die Spielmotivation alleine die vorhandenen Inhalte zum Release, dann ist diese einigermaßen schnell verbraucht – wenn man sich in der „Mario Kart“-Reihe auskennt und nicht das erste Mal damit in Berührung kommt (sh. meine Spielzeit unten). Außerhalb dieser klassischen Inhalte liefert das Spiel nur den doch recht formelhaften Online-Modus und eine grundsätzlich offene Spielwelt, mit der aber leider keiner von den Verantwortlichen etwas anfangen konnte oder wollte.
Steuerung9Mit Blick auf die Steuerung bewegt sich „Mario Kart“ schon seit vielen Jahren und Titeln auf den vordersten Plätzen im Bereich der „Funracer“. Da macht jetzt auch der neue Teil keine Kompromisse. Im Gegenteil schafft er es sogar noch ein paar neue Elemente einzubauen, ohne dabei das ursprüngliche und bekannte Fahrgefühl nicht gänzlich über den Haufen zu werfen. Stattdessen wird mit „Railgrinding“, „Wallruns“, „Jump-Boost“ und „Zurückspulen“ in meist feinen Nuancen frischer Wind in ein ansonsten hochpoliertes Fahrgefühl gebracht.
Inhalt5Ich habe überlegt, ob ich das „Offene Welt / Freie Fahrt“-Dilemma nur auf die Motivation übertragen soll. Ich habe mich dagegen entschieden, denn aus meiner Sicht raubt die stark vernachlässigte offene Spielwelt auch eine große Menge an Inhaltsoptionen. Denn klammern wir diese aus, liefert „Mario Kart World“ nämlich genau die Inhalte, die nun schon seit Jahrzehnten enthalten sind. Die neuen „K.-o.-Touren“ sind hier aber noch als Gegenargument zu erwähnen, die im Übrigen das Prinzip der neuen „Intermission“-Rennen um einiges besser umsetzt, als es in den „Grand Prix“-Veranstaltungen getan wird.
Präsentation10+Das „+“ hinter der Bestwertung konnte ich mir hier nicht verkneifen, denn aus meiner Sicht steht der Titel in Sachen Präsentation unangefochten und mit weitem Abstand an der Spitze der Funracer. Alleine der hochklassige und jederzeit stimmige Soundtrack von Atsuko Asashi ist über jeden Zweifel erhaben! In Sachen Optik reißt der Titel im Direktvergleich mit „Mario Kart 8 Deluxe“ jetzt sicherlich keine Bäume aus, doch die Vorlage war auch keine einfache und so knüpft der Titel hier sehr gekonnt an und setzt das Vermächtnis mit Bravour fort.
Gesamt75 %„Mario Kart World“ würde einen schweren Start haben, dessen war ich mir schon bei seiner Ankündigung sicher. Entscheidender Faktor damals, der das Spiel hätte abheben können von seinem Vorgänger: Die offene Spielwelt und das „ich fahre selbst zum nächsten Rennen“-Gefühl. Beides wirkt im finalen Spiel enttäuschend vernachlässigt und so bleibt von dem aufregenden neuen Paket am Ende eine eher ernüchternd vertraut wirkende Abwandlung dessen, was man schon kennt. Allerdings liefert „World“ dann in bestimmten Nuancen doch noch Innovation, Abwechslung und Ansätze, die mit der richtigen Nachbetreuung noch in die Sphären von „Mario Kart 8 Deluxe“ führen könnten. Und selbst der „Ist wie sein Vorgänger“-Vergleich ist jetzt auch irgendwie keine Negativwertung, oder?

Infos

PublisherNintendo
Entwickler Nintendo Entertainment Planning & Development (EPD)
PlattformNintendo Switch 2
GenresRacing, Fun Racer, Kart Racing
Release05. Juni 2025
Websitehttps://www.nintendo.com/de-de/Spiele/Nintendo-Switch-2-Spiele/Mario-Kart-World-2790000.html
PreisCa. 80 €
AltersfreigabeUSK 0 Jahre
SpielzeitCa. 20 Stunden (Alle Cups, K.-o.-Touren auf allen Schwierigkeitsstufen in Gold)

Trailer zu Mario Kart World